Politik : Israel zieht Bodentruppen ganz aus dem Gazastreifen ab

Tel Aviv/Gaza - Drei Tage nach Beginn einer Waffenruhe hat die israelische Armee ihre Truppen vollständig aus dem Gazastreifen abgezogen. Die letzten Truppen verließen das Palästinensergebiet am Mittelmeer am frühen Mittwochmorgen, wie eine israelische Armeesprecherin mitteilte. Ein Teil der Truppen wurde an den Rand des Gazastreifens verlegt und blieb in erhöhter Alarmbereitschaft. Die EU drängte auf freien Zugang für humanitäre Hilfe zum Gazastreifen.

Angesichts von Vorwürfen über Menschenrechtsverstöße will die israelische Armee prüfen, inwiefern der Einsatz von Phosphormunition in ihrem 22-tägigen Gazafeldzug gegen bestehende Regelungen verstoßen habe. Um „jegliche diesbezügliche Unklarheit zu beseitigen“, sei eine Untersuchungskommission ins Leben gerufen worden, hieß es in einer Stellungnahme der Armee.

Menschenrechtler und Ärzte in Gaza hatten dem israelischen Militär vorgeworfen, Granaten mit weißem Phosphor auf Ziele in dicht besiedelten Gebieten abgefeuert zu haben. Dies habe zu schweren, schwer heilbaren Brandverletzungen geführt.

Israel öffnete am Mittwoch drei Grenzübergänge zum Gazastreifen für die Einfuhr humanitärer Hilfsgüter, Kochgas und Treibstoff. Der stellvertretende palästinensische Wirtschaftsminister Nasser al Sarradsch sagte, Israel habe die palästinensische Autonomiebehörde über diese Entscheidung informiert. Mehr als 110 Lastwagen mit Lebensmitteln sollten über den Kerem-Schalom-Übergang im Südosten des Gazastreifens in das Palästinensergebiet einfahren. 60 weitere Lastwagen mit Futtermitteln und Getreide sollten den Karni-Übergang östlich der Stadt Gaza passieren.

EU-Chefdiplomat Javier Solana sagte vor einem Treffen der EU-Außenminister mit ihrer israelischen Amtskollegin Zipi Livni in Brüssel: „Die Öffnung von Gaza ist ein Muss“. Er wolle Livni um den Zugang in das Krisengebiet bitten, „damit die Hilfe, die die internationale Gemeinschaft geben will, bei denen ankommen kann, die sie brauchen“. dpa

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben