Politik : Israelis erschießen 15 Palästinenser

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Trotz wachsender Kritik an der israelischen Besetzung von Autonomiegebieten im Westjordanland hat Ministerpräsident Ariel Scharon das gewaltsame Vorgehen gegen die Palästinenser verschärft. Israelische Soldaten erschossen am Mittwoch im Westjordanland 15 Palästinenser. Ein weiterer Palästinenser erlag seinen schweren Verletzungen, die ihm Soldaten am Dienstag beigebracht hatten. Es war eines der blutigsten Gefechte seit Beginn der neuen Intifada vor 13 Monaten. Vertreter der Palästinenser sprachen nach den Ereignissen vom Mittwoch von einem "verbrecherischen Massaker".

Die blutigen Armeeaktionen folgten wenige Stunden, nachdem israelische Tageszeitungen über den kurz bevorstehenden Rückzug der Truppen aus den zum Teil besetzten Städten im Westjordanland berichtet hatten. Allein bei einem Armee-Einsatz in dem 800 Einwohner zählenden Dorf Beit Rima nahe Ramallah töteten Soldaten nach israelischen Angaben am frühen Morgen nach heftigen Schießereien mindestens zehn Dorfbewohner.

Eine israelische Armeesprecherin sagte, alle in dem Dorf getöteten Palästinenser hätten das Feuer eröffnet. Israelischen Militärangaben zufolge starben die Palästinenser, nachdem die Armee auf heftigen Widerstand beim Vorstoß in das Dorf Beit Rima gestoßen war. Palästinensische Ärzte berichteten, die Armee sei auf wenig Widerstand gestoßen und habe das Feuer eröffnet, ohne dass sie provoziert worden sei.

US-Präsident George W. Bush hatte zuvor nach einem Treffen mit dem israelischen Außenminister Schimon Peres am Dienstagabend in Washington gesagt, dass er auf einen raschen Rückzug der Truppen aus den Palästinensergebieten hoffe.

Bei der seit Tagen anhaltenden Jagd auf mutmaßliche Terroristen nahmen israelische Armee-Einheiten zwei der drei Attentäter von Tourismusminister Rechawam Seewi fest. Der eigentliche Täter sei aber noch auf der Flucht, meldete der israelische Rundfunk. Seewi war vergangene Woche in einem Jerusalemer Hotel ermordet worden.

Bundesaußenminister Joschka Fischer forderte unterdessen die iranische Regierung zu stärkerem Engagement für den Nahost-Frieden auf. Es sei nützlich, "wenn der Iran im Hinblick auf den Friedensprozess eine noch konstruktivere Haltung einnehmen könnte," sagte Fischer am Mittwoch nach einem Treffen mit seinem iranischen Amtskollegen Kamal Charrasi in Teheran. Jeder, der mit Deutschland Beziehungen habe, müsse wissen, dass mit der Bundesregierung über das Existenzrecht Israels nicht zu diskutieren sei, sagte Fischer weiter.

Die Europäische Union will nach den Worten ihres Beauftragten für Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, alles in ihrer Macht Stehende tun, um zu einer Beruhigung der Lage in den Palästinensergebieten beizutragen. Dies werde in Zusammenarbeit mit Ägypten und Jordanien geschehen, sagte Solana nach einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak im Badeort Scharm el Scheich.

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