Israelische Streitkräfte : Neuer Armeechef soll Vertrauen wieder aufbauen

Die wegen des Feldzugs gegen die Hisbollah-Miliz im Libanon im vergangenen Sommer in Negativ-Schlagzeilen geratene israelische Armee bekommt einen neuen Generalstabschef.

Jerusalem - Ministerpräsident Ehud Olmert und Verteidigungsminister Amir Peretz entschieden sich nach Angaben von Olmerts Büro vom Montagabend für Reservegeneral Gabi Aschkenasi. Seine Nominierung muss noch durch das Kabinett und einen Rechtsausschuss bestätigt werden, was aber als sicher gilt. Aschkenasi soll in den nächsten Tagen ins Amt eingeführt werden. Seine Aufgabe werde darin bestehen, das Vertrauen in die Armee und in die "Abschreckungskapazitäten der Armee gegenüber den Feinden Israels, insbesondere dem Iran" zurückgewinnen, hieß es im Armeerundfunk.

Der 1954 geborene Aschkenasi war vor 35 Jahren in die Infanterie-Einheit Golani eingetreten, die 1976 an der Befreiung der jüdischen Geiseln in einer nach Entebbe in Uganda entführten Passagiermaschine von Air France beteiligt war. In dieser Einheit machte er Karriere und wurde 1986 schließlich deren Kommandant. 1988 wurde er zum Kommandeur des nördlichen Militärgebiets ernannt, zu dem seinerzeit die von der israelischen Armee besetzte "Sicherheitszone" im Südlibanon gehörte. 2002 stieg Aschkenasi zum Vize-Generalstabschef auf.

Aschkenasi war einziger Kandidat

2005 schied er aus der Armee aus, nachdem er bei der Kandidatur für den Posten des Generalstabschefs dem Luftwaffengeneral Dan Halutz unterlegen war. Der verheiratete Vater von zwei Kindern studierte Politik und hat ein Diplom der Militärakademie der US-Marineinfanteristen sowie einen Harvard-Abschluss in internationalen Angelegenheiten.

Sein Vorgänger Halutz war als Konsequenz aus der misslungenen Libanon-Offensive, bei der 162 Israelis ums Leben kamen, vergangene Woche zurückgetreten. Der zweite Mann im Generalstab, Generalmajor Mosche Kaplinski, war laut Berichten als Nachfolger zwar eigentlich die erste Wahl für Olmert. Kaplinski zog aber seine Bewerbung zurück und begründete dies in einem Brief an Olmert, Verteidigungsministerium und Generalstab mit einem ungewissen Rückhalt für seine Bewerbung. Aschkenasi verblieb damit als einziger Kandidat für die Leitung des Generalstabs.

Aschkenasi übernimmt seinen Posten nach Einschätzung israelischer Medien zu einem der schwersten Momente für die Armee des Landes. Seine Berufung werde der "entmutigten" Armee "neues Leben einhauchen", kommentierte die Zeitung "Maariv" die Personalentscheidung. Der 52-jährige muss sich nach Einschätzung des Blattes allerdings auf weiter schwierige Zeiten einstellen. "Maariv" verwies auf ein mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwartendes Wiederaufflammen der Feindseligkeiten zwischen Israel und der palästinensischen Hamas-Bewegung im Gazastreifen sowie zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im Libanon. Zusätzlich verwies das Blatt auf die nukleare Bedrohung aus dem Iran. (tso/AFP)

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