Politik : Israelische Truppen erschießen Militär-Chef der radikalen Hamas

Armee beginnt Offensive im Gaza-Streifen / Militärexperten warnen vor Angriffen mit Mini-Flugzeugen während eines Irak-Krieges

Charles A. Landsmann

Tel Aviv. Die israelische Armee hat eine Offensive gegen die islamistische Hamas im Gaza-Streifen gestartet. In den vergangenen zwei Tagen wurden dabei neun Palästinenser getötet, darunter der Oberkommandierende des militärischen Hamas-Flügels im Gaza-Streifen, Riad Abu-Sed. Die Hamas droht mit Gegenschlägen.

Die gespannte relative Ruhe wurde durch den Bombenanschlag gegen einen israelischen Panzer im nördlichen Gaza-Streifen am Samstag beendet: Alle vier Insassen des Panzers verbrannten. Die Hamas übernahm die Verantwortung für den Anschlag. Verteidigungsminister Schaul Mofas kündigte daraufhin einen „massiven Schlag“ als Vergeltung an. Der Chef des militärischen Flügels der Hamas, Riad Abu-Sed, geriet am Montagmorgen mit seinem Auto in der Nähe eines Flüchtlingslagers in einen Armee-Hinterhalt, versuchte zu entkommen, wurde niedergeschossen und so schwer verwundet, dass er unmittelbar nach Einlieferung in ein israelisches Krankenhaus starb. Zuvor, in den frühen Morgenstunden, waren rund 35 Panzer, unterstützt von Kampfhubschraubern, in die Stadt Gaza eingedrungen, um das fünfstöckige Haus von Ahmed Ghandour und seiner Familie zu sprengen. Ghandour gilt als einer der wichtigsten Bombenbauer und Chef von Hamas im nördlichen Teil des Gaza-Streifens. Bei den Schusswechseln mit den israelischen Truppen wurden zwei Palästinenser getötet und vier weitere verwundet.

Bereits am Sonntag waren sechs Hamas- Aktivisten in einem Hinterhof in Gaza getötet worden, als ein unbemanntes Flugzeug, das mit Bomben für einen Einsatz gegen israelische Ziele bestückt werden sollte, explodierte. Vor einer solchen technologischen Eskalation hatten israelische Experten mit Blick auf einen möglichen Irak-Krieg schon länger gewarnt. Attacken mit unbemannten Mini- Flugzeugen, bestückt mit konventionellen, chemischen oder gar biologischen Sprengköpfen, stellen nach Ansicht israelischer Militärexperten eine der größten Gefahren für Israel während eines Krieges dar. Luftangriffe des Irak halten die Experten für weniger gefährlich, weil diese durch Abfangraketen vereitelt werden könnten. Drohnen aber können den Radar unterfliegen und von irakischen Verbündeten entlang der israelischen Grenzen losgeschickt werden: durch die Hisbollah vom Südlibanon aus, durch die palästinensischen Islamisten aus dem Gaza-Streifen. Darüber hinaus wird befürchtet, dass diese Gruppierungen auch versuchen werden, blutige Selbstmordattentate in Israel selbst zu verüben.

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