Politik : Israelische Vertretung: Wunschkandidat der Diplomaten

Charles A. Landsmann

Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums bestätigte am Sonntag die Ernennung des Berufsdiplomaten Schimon Stein zum Botschafter in Berlin. Die endgültige Ernennung durch die Regierungen in Deutschland und Israel verzögert sich aber. Die mit den kriegerischen Ereignissen vollauf beschäftigte israelische Regierung hat keine Zeit. Steins Vorgänger Avi Primor hatte seinen Botschafterposten Mitte 1999 geräumt. Seither war die Stelle verwaist.

Trotz der ausstehenden förmlichen Ernennung besteht also kein Zweifel mehr daran, dass der derzeitige Vizegeneraldirektor für Russland und Osteuropa im Jerusalemer Außenministerium der neue Mann an der Spitze der Berliner Botschaft sein wird. Der Ernennungsausschuss des Ministeriums hat vor kurzem die Wahl des 52-jährigen Berufsdiplomaten vollzogen, nachdem der bisherige Kandidat der Politiker, der Arbeitsparteiabgeordnete Yossi Katz, erwartungsgemäß seine Kandidatur zurückgezogen hatte.

Schimon Stein war von allem Anfang an - seit Botschafter Avi Primor im Juli vergangenen Jahres nach Israel zurückgekehrt war, der inzwischen zum Vizepräsidenten der Universität Tel Aviv ernannt worden ist - der Favorit des Außenministeriums. Doch die Politiker, Ministerpräsident Ehud Barak und der damalige Außenminister David Levy, hatten sich auf eine - von insgesamt elf erlaubten - politische Ernennung geeinigt, nämlich auf Katz.

Alternativ-Kandidat verzichtete

Dessen Kandidatur wurde in der Folge durch den Kommissar für den Öffentlichen Dienst, Shmuel Hollender, wegen angeblich fehlender "spezifischer Eigenschaften für den sensiblen Posten" nicht zugelassen - ein Entscheid, der zu einem wüsten Hickhack zwischen Politikern, Diplomaten und Bürger-Aktivisten führte. Katz verzichtete schließlich auf seine Kandidatur, aber aus anderen Gründen: Mit seinem Ausscheiden aus der Knesset würde ein Vertrauensmann des in die Opposition übergewechselten Levy nachrücken, womit Barak keine Chance mehr für eine parlamentarische Mehrheit haben würde.

Während seiner dreitägigen Amtszeit als amtierender Außenminister nach Levys Rücktritt hatte Barak versucht, den Generaldirektor des Außenministeriums, Eytan Bentsur, einen Levy-Vertrauten, seines Amtes zu entheben und als Botschafter nach Paris abzuschieben. Der konsternierte Bentsur soll darum gebeten haben, nach Berlin entsandt zu werden, und ging gleichzeitig vor Gericht, um seine Absetzung zu verhindern. Schließlich einigte man sich, dass er bis zum Ablauf seiner Amtszeit Ende dieses Monates im Amt bleibe.

So kam es zur pikanten Situation, dass Bentsur als Vorsitzender des internen Ernennungsausschusses die Wahl Steins vollzog. Der als Berufsdiplomat hochangesehene und über 25-jährige Erfahrung verfügende Stein war von 1980 bis 1985 Jahren bereits als Botschaftsrat für politische Angelegenheiten in Deutschland stationiert, allerdings damals noch in Bonn, und bekleidete den gleichen Posten danach auch in Washington. Das Amt des israelischen Botschafters in Deutschland gilt als besonders wichtig. Trotz der enormen Informations- und Propagandabemühungen insbesondere des Außenministeriums in diesen Krisenzeiten weigert sich Stein, mit Journalisten zu sprechen, solange seine Ernennung nicht endgültig ist.

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