Politik : Israelischer Soldat bei Angriff der Hisbollah getötet - Libanon-Krisentreffen geplatzt

Die Situation in Südlibanon hat sich am Freitag wieder zugespitzt: Bei einem Angriff der schiitischen Hisbollah-Miliz auf einen israelischen Militärposten wurde ein israelischer Soldat getötet. Zwei weitere wurden nach Angaben der libanesischen Polizei verletzt. Die von Iran unterstützte Hisbollah bestätigte den Raketen- und Mörserangriff und sprach von einem Volltreffer. Israel reagierte prompt: Kampfflugzeuge bombardierten rund eine Stunde nach dem Angriff ein Tal in der Nähe des attackierten Militärpostens. Die Hoffnungen auf eine Entspannung der Lage, die noch am Donnerstag aufkeimten, haben sich damit wieder zerschlagen.

Durch den neuen Angriff platzte eine geplante Dringlichkeitssitzung der internationalen Libanon-Beobachtergruppe, die das Waffenstillstandsabkommen von 1996 überwacht. Kurz vor dem Treffen in der Küstenstadt Nakora zog Israel seine Delegation wegen der Hisbollah-Attacke zurück, teilte das Gremium mit. Militärbeobachter aus Israel, dem Libanon, Syrien, Frankreich und den USA wollten bei dem Treffen über die jüngste Eskalation der Gewalt in der Region beraten. Nun wollen die beiden Westmächte in bilateralen Konsultationen mit den anderen Partnern die nächsten Schritte erörtern.

Libanon hatte bereits Anfang der Woche eine Dringlichkeitssitzung der so genannten Monitorgruppe verlangt. Israel hatte dies zunächst mit der Begründung abgelehnt, das Abkommen mit Libanon vom April 1996 werde nicht mehr respektiert. Am Donnerstag hatte Israel dann entschieden, doch einen Vertreter zu entsenden. Die 1996 eingesetzte Monitorgruppe soll in der Krisenregion eine weitere Ausweitung von Gewalt verhindern, um Zivilisten zu schützen.

Die Krise in Libanon schmälert auch die Aussichten auf ein israelisch-syrisches Friedensabkommen. Syrien gilt als Ordnungsmacht in Libanon. Vor der neuerlichen Eskalation hatte Israels Ministerpräsident Ehud Barak am Freitag in einer Rede vor Offizieren angekündigt, er werde trotz der jüngsten Spannungen die Truppen seines Landes bis Juli aus dem umkämpften Gebiet abziehen und damit sein Wahlkampfversprechen vom vergangenen Jahr einlösen.

Israel beansprucht im Süden Libanons eine Sicherheitszone. In den letzten beiden Wochen haben sich die dort stationierten israelischen Truppen und die Hisbollah schwere Kämpfe geliefert. Seit vergangener Woche sind bei Hisbollah-Attacken sechs israelische Soldaten getötet worden. Als Vergeltung flog Israels Luftwaffe Angriffe bis tief in libanesisches Gebiet hinein.

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