Politik : Israels Armee marschiert wieder in den Gazastreifen ein

Charles A. Landsmann

Tel Aviv/Gaza - Israelische Soldaten haben bei Einsätzen im Gazastreifen und Westjordanland sechs Palästinenser erschossen. Israelische Panzer und Soldaten rückten am Dienstagabend zum zwölften Mal innerhalb von drei Monaten in den nördlichen Gazastreifen ein. Vier Palästinenser wurden getötet, darunter ein Mitglied der radikal-islamischen Hamas. Grund für den Vorstoß ist der Raketenbeschuss auf die israelische Stadt Sderot. Eine Rakete schlug gestern in ein Gebäude ein. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben, darunter ein vierjähriges Kind. Im Westjordanland wurden drei Palästinenser getötet, darunter ein Mitglied der militanten Al-Aksa-Brigaden.

Der Grund für die neue Eskalation der Gewalt ist der vom israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon vorgelegte Abzugsplan aus dem Gazastreifen. Dabei sollen auch alle 21 Siedlungen geräumt werden. Scharon scheint trotz des Widerstands der israelischen Siedler und Nationalisten, entschlossener denn je, seinen Plan bis zum Herbst 2005 umzusetzen. Allerdings haben Scharon, Palästinenserpräsident Jassir Arafat und die radikal-islamische Hamas-Bewegung sowie die israelische Armee so unterschiedliche Vorstellungen über den Abzug, dass Beobachter nun eine neue Gewaltwelle erwarten. Scharon will sich von den Palästinensern nicht in seinen Rückzugsplan hineinreden lassen. Arafat wird von israelischer Seite schlicht ignoriert. Im Gazastreifen wollen deshalb Nationalisten und Islamisten gemeinsam mit Anschlägen den Eindruck erwecken, Israels Armee ziehe sich nicht planmäßig zurück, sondern fliehe vor der palästinensischen Gewalt.

Vorbild ist der israelische Rückzug aus Südlibanon. Damals war die Armee früher abgezogen als zunächst geplant. Die dort aktive Hisbollah feierte dies als Sieg über Israel. Diesen Eindruck will Scharon vermeiden. Deshalb wird Israels Armee mit einer ganzen Serie von Angriffen bis zum Rückzugstermin klarmachen, wer die militärische Macht in der Region hat, und dass sie erhobenen Hauptes abziehen wird.

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