• Israels neuer Präsident: "Katzav wird eine Vaterfigur der Nation" - Der israelische Journalist Horovitz begrüßt die Wahl (Interview)

Politik : Israels neuer Präsident: "Katzav wird eine Vaterfigur der Nation" - Der israelische Journalist Horovitz begrüßt die Wahl (Interview)

War die Wahl von Mosche Katzav für Sie eine &

David Horovitz ist Herausgeber des Magazins "Jerusalem Report". Der 37jährige ist 1983 aus England nach Israel eingewandert.



War die Wahl von Mosche Katzav für Sie eine Überraschung?

Das war eine Überraschung für alle. Die meisten dachten, dass Shimon Peres gewählt werden würde - wenn auch mit äußerst knapper Mehrheit. Ich denke, auch Katzav selbst hat nicht damit gerechnet, dass er gewinnen wird.

Was bedeutet Katzavs Wahl für die israelische Innenpolitik? Vergrößert sie die Chancen von Ministerpräsident Barak, seine Koalition zusammenzuhalten?

Die Antwort auf diese Frage werden wir am Abend nach den Misstrauensvoten im Parlament wissen. Die Wahl Katzavs könnte der Opposition, die versucht, Barak aus dem Amt zu heben, neuen Auftrieb geben. Sie fühlt sich jetzt noch selbstsicherer. Es könnte sein, dass Abgeordnete, die bisher zögerten, nun mit der Opposition stimmen und die Regierung fällt. Nichts ist mehr unmöglich.

Katzav ist ein orientalischer Jude, seine Familie stammt aus Iran. Wird es ihm gelingen, die Kluft zwischen europäischen und orientalischen Juden in der Gesellschaft zu überbrücken?

Ich denke, dass seine sephardische Herkunft entscheidend ist in einem Land, in dem orientalische Juden sich diskriminiert und benachteiligt fühlen. Es ist daher sehr positiv, dass es jetzt einen sephardischen Präsidenten gibt. Katzav ist gleichzeitig eine sehr milde Person, was in der israelischen Politik ausgesprochen rar ist. Er ist nicht laut und angreifbar, sondern eine sehr ruhige und warmherzige Person.

Das hört sich bei Ihnen sehr positiv an. Gewöhnlich wird Katzav als ein Mann ohne Charisma beschrieben.

Er ist nicht ausgesprochen charismatisch, das stimmt. Aber er wird einen väterlichen Präsidenten abgeben, eine Art Vaterfigur der Nation. Und es ist vielleicht ganz gut, wenn der Präsident nicht immer herumschreit und aller Welt sagt, was sie tun muss - so wie dies bei Ezer Weizman der Fall war.

Katzav ist ein entschiedener Gegner des Osloer Friedensprozesses. Wird er die Verständigung mit den Palästinensern behindern?

Nein, ich denke nicht, dass Katzav ein Dorn im Fleische des Premierministers sein wird. Falls Barak im Amt bleibt, wird die Opposition aus dem Parlament kommen, von Ariel Sharon, nicht vom Präsidenten. Der israelische Präsident hat beschränkte Möglichkeiten. Das Klima in Israel ist nicht hysterisch - obwohl Barak vergangene Woche das letzte große Tabu brach und Verhandlungen über Jerusalem begann. Die Menschen sind dennoch nicht in Massen auf die Straße gegangen, um zu protestieren.

Mosche Katzav wird also keine Schlüsselrolle spielen?

Der Präsident kann die Gefühle und Stimmungen des Volkes aufnehmen, so wie dies Weizman nach den Selbstmordanschlägen tat. Damals, nach den Anschlägen auf die Busse, war die Stimmung sehr aufgeladen, emotional. Diese öffentliche Meinung hat Weizman aufgenommen, als er dazu aufrief, die Politik gegenüber den Palästinensern zu überdenken. Doch die Öffentlichkeit wartet heute ab, schaut und analysiert sehr genau die Details eines möglichen Friedensabkommens. In diesem relativ ruhigen Klima wird Katzav keine Schlüsselrolle spielen.

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