Politik : Israels Präsident wird weiter verhört

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Tel Aviv - Am Donnerstag wurde Israels Staatspräsident Mosche Katsav den zweiten Tag in Folge verhört. Das Oberhaupt des jüdischen Staates wird nicht nur sexueller Belästigungen, sondern gar der Vergewaltigung von mindestens einer Mitarbeiterin sowie ungerechtfertigter Begnadigungen von Verbrechern verdächtigt.

Katsav wurden stundenlang auf intimste Details eingehende Fragen gestellt. Die Verhöre werden fortgesetzt werden, wobei die Polizei eine Konfrontation zumindest mit einem Opfer planen soll. Die Katsav schwer belastenden Aussagen einer jungen Frau werden von der Polizei als glaubwürdig angesehen, nachdem ein Lügendetektortest ergab, dass sie die Wahrheit sage. Außer mit dieser ehemaligen Angestellten soll Katsav mit ein bis zwei weiteren weiblichen Untergebenen intime Kontakte unterhalten oder sie sexuell belästigt haben.

Katsav hingegen bestreitet alles. Gemäß TV-Kanal 10 sollen es am ersten Verhörtag folgende Dialoge gegeben haben. Verhörer: „Haben Sie Geschlechtsverkehr gehabt mit A.?“ – Katsav: „Nein. Wir hatten nur Arbeitsbeziehungen.“ – Verhörer: „Haben Sie mit A. irgendwelche intimen Beziehungen gehabt?“ – Katsav: „Nein.“ – Verhörer: „Haben Sie A. gedroht oder zu verstehen gegeben, dass es für sie vorteilhaft wäre, mit Ihnen Beziehungen zu unterhalten?“ – Katsav: „Das ist Verleumdung. Es ist mir nicht in den Sinn gekommen.“

Doch außer Katsav selbst und seinem Staranwalt glaubt so gut wie niemand diese Worte. Alle befragten Juristen, allen voran die Staatsrechtler, sind einhellig der Meinung, Katsav müsse bis zur Beendigung der Untersuchung sich zumindest jeglicher Amtstätigkeit enthalten. Fast alle fordern seinen sofortigen Rücktritt, da er untragbar geworden sei.

Auch Abgeordnete haben sich dieser Forderung angeschlossen, allen voran Ruchama Avraham von der regierenden Kadima-Partei. In einem parlamentarischen Antrag schlägt sie darüber hinaus vor, das weitgehend repräsentative Amt des Staatspräsidenten ganz abzuschaffen. Begründung: „Der Beitrag des Amtes des Staatspräsidenten für die israelische Gesellschaft rechtfertigt nicht die weitere Existenz dieser teuren und überflüssigen Institution.“

Politologie-Professor Schlomo Avinery von der Hebräischen Universität sieht den Kern des Skandals dagegen in der Person Katsavs. Anders als alle seine Vorgänger seit Staatsgründung sei er ein reiner Karrierepolitiker ohne irgendwelchen hohen akademischen oder militärischen Hintergrund. Der im Iran geborene Katsav verdanke seine Karriere vor allem der Tatsache, dass er sich innerhalb der Likud-Partei keiner der sich bekriegenden Gruppierungen anschloss und deshalb „niemandem auf die Füße trat“, sondern seine Position mit zweifelhaften Beförderungen für Parteigänger absicherte. cal

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