Politik : Ist der Ruf erst ruiniert...

Maren Peters

Bis zum 11. September stand der Name bin Laden für Reichtum, für Cleverness, für Weltläufigkeit. Schließlich war es dem Oberhaupt des Bin-Laden-Clans, dem Maurer Mohammed bin Laden, gelungen, ein milliardenschweres Bauimperium aufzubauen, das von den meisten seiner 52 Kinder erfolgreich fortgeführt wird. Der Konzern baut Einkaufszentren, Hotels, Moscheen und Flugplätze, zu den amerikanischen Kunden zählt auch General Electric. Die schwerreichen bin Ladens gehören zu den einflussreichsten Familien in Saudi-Arabien, unterhalten enge Bindungen zur Königsfamilie, fahren teure Autos, wohnen in schicken Apppartments und schicken ihre Kinder auf Eliteschulen. Doch seit dem 11. September haben die bin Ladens ein großes Problem: Der Terroranschlag von New York hat den Namen zum Synonym für Terrorismus gemacht. Und das ist extrem schlecht fürs Geschäft.

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Fotostrecke: Der Krieg in Afghanistan Der Familienclan sucht daher Hilfe von außen: Die bin-Laden-Gruppe hat Kontakt zu einer Top-PR-Firma in London aufgenommen, die den ruinierten Ruf wieder geraderücken soll. Es habe bereits drei Treffen zwischen den bin Ladens und der Londoner PR-Firma WMC Communications gegeben, berichtet die britische Zeitung "The Guardian". Die Familie, schreibt die Zeitung weiter, wolle sich von den Aktivitäten des vor Jahren verstoßenen Sohnes Osama distanzieren und suche jetzt die Hilfe einer PR-Agentur, um den Ruf der Familie weltweit wieder herzustellen.

Die PR-Agentur ist nicht abgeneigt. Ihr Chef, David Wynne-Morgan, hat bereits prüfen lassen, ob denn alles mit rechten Dingen zugeht. Tut es, glaubt er: "Sie haben keine Verbindung zum Terrorismus." Der frühere Journalist hat großes Interesse, für die bin-Laden-Gruppe zu arbeiten. Schließlich, sagt er, sei sie eine der größten Baufirmen der Welt.

Doch was für West-Firmen selbstverständlich ist, muss der saudischen Gruppe wie der Sprung in eine fremde Welt vorkommen: Der bin-Laden-Clan ist publicity-scheu, hat bisher nie mit der Presse geredet. Und so glamourös das Leben der 52-Familienmitglieder auch sein mag, die Öffentlichkeit ist als Zuschauer nicht willkommen. Auch deshalb nicht, weil die saudische Regierung zu ihren größten Kunden gehört. "Sie haben geglaubt, dass das Interesse an ihnen schon von allein nachlassen würde, wenn sie nichts tun würden", sagt PR-Profi Wynne-Morgan. "Aber das ist nicht der Fall." Wenn schon etwas geschrieben wird, soll es wenigstens im Sinne des bin-Laden-Clans sein: Das wäre dann sein Job.

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