Politik : Ist der Süden doch nicht top?

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Von Bärbel Schubert

Knapp fünf Wochen vor der Veröffentlichung des innerdeutschen „Pisa“-Schulvergleichs überschlagen sich die Gerüchte. Das Magazin „Focus“ berichtet, dass Schleswig-Holstein, Thüringen und Sachsen bei der Länderstudie am besten abschneiden. Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern lägen dagegen mit extrem schlechten Ergebnissen weit hinten. Auch Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen seien – anders als erwartet – beim Länder-Ranking in einigen Bereichen deutlich abgeschlagen. Dieser Bericht wurde am Sonnabend jedoch umgehend dementiert.

Als „reine Erfindung“ bezeichnete der Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Jürgen Baumert, die „Focus“-Aussagen. „Es gibt noch keine Pisa-Länderergebnisse und auch keinen Zwischenbericht“, sagte Baumert, der das als Verantwortlicher für den deutschen Teil der Pisa-Untersuchung wissen muss. Auch die Kultusministerkonferenz dementierte: Diese Meldung „entbehrt jeder sachlichen Grundlage“.

Die Bundesländer-Ergebnisse sollen am 27. Juni vom Max-Planck-Institut und der Kultusministerkonferenz gemeinsam in Berlin veröffentlicht werden. Die Kultusminister haben diesen Termin erst jüngst um vier Tage vorverlegt. Der Bericht basiert auf Testergebnissen von rund 50 000 Schülern.

Die im Dezember veröffentliche internationale „Pisa“-Studie hat gezeigt, dass dem deutschen Schulsystem die Förderung von Kindern aus ärmeren und bildungsfernen Familien erheblich schlechter gelingt als anderen Industriestaaten. Schulforscher erwarten deshalb, dass in den deutschen Bundesländern mit einem großen Anteil von Kindern aus armen Familien auch die Test-Durchschnittsleistungen wesentlich schlechter ausfallen. Dies gilt vor allem für die Stadtstaaten, und da besonders für Bremen. „Focus“ beruft sich bei seinen Angaben auf ein Zwischenergebnis der Studie, von dem die Zeitschrift am Rande der Kultusministerkonferenz diese Woche in Eisenach erfahren haben will.

Da der internationale Test auch zeigt, dass ausländische Jugendliche im deutschen Schulsystem schlecht gefördert werden, rechnen die Bildungsforscher für den Ländervergleich die ausländischen Kinder aus dem Ranking heraus und stellen deren Ergebnisse separat dar. Mehrere Statistiken sollen Gerechtigkeit beim Vergleich der Länder mit hohem und denen mit niedrigem Ausländeranteil herstellen. Ziel: mehr Transparenz.

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hat an die Länder appelliert, die Veröffentlichung der deutschen „Pisa“-Ergebnisse für Reformen zu nutzen. Die Resultate sollten nicht dazu missbraucht werden, schwächere Länder „an die Wand zu drücken“. Das deutsche Bildungssystem müsse insgesamt besser werden, um im weltweiten Wettbewerb mitzuhalten. Die schlechte Förderung von Kindern aus einfachen Familien könne nicht länger hingenommen werden. Dabei können die deutschen Schulen nach Bulmahns Worten von Finnland und Schweden lernen. Schwächere Schüler würden dort von der ersten Klasse an besonders gefördert. Deutschland setze dagegen schon in der Grundschule zu sehr auf Auslese un. Um das zu verbessern, müssten die Grundschulen mehr Geld bekommen.

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