Politik : Istanbul vor dem Nato-Gipfel: Eine Stadt macht dicht

Susanne Güsten

Istanbul - Ab Sonntag bleibt Istanbul für drei Tage geschlossen. Der Flughafen, die U-Bahn, die Brücke über das Goldene Horn, der Fährverkehr über den Bosporus und die Schifffahrt durch die Meerenge – alles wird gesperrt, geschlossen und gestoppt. Die türkische Millionenstadt macht aus Sicherheitsgründen dicht, denn am 28. und 29. Juni tagt hier der Nato-Gipfel. Um die Staats- und Regierungschefs aus 46 Ländern vor Terrorangriffen zu schützen, werden sie in einem zehn Quadratkilometer großen Areal im Stadtzentrum eingezäunt und von Jagdfliegern, Kampftauchern, Scharfschützen und 25 000 Polizisten bewacht.

Die 300 000 Anwohner in dem Gebiet wurden erkennungsdienstlich überprüft, für die übrigen zwölf Millionen Bürger der Stadt bedeutet der Gipfel eine dreitägige Zwangspause. Der Bürgermeister hat bereits zu Opfermut und Geduld aufgerufen. Während des Gipfels dürfen die Anwohner der zentralen Stadtbezirke nicht einmal heiraten, damit sich keine Bombenleger unter die Feiernden mischen können. Fast 200 Straßen werden gesperrt, die U-Bahn verkehrt während des Gipfels nicht, viele Fährverbindungen über den Bosporus werden ausgesetzt, selbst die Fischerboote dürfen nicht auslaufen.

Viele Firmen müssen ihren Angestellten Urlaub geben, weil diese ihre Arbeitsplätze nicht erreichen. Der Basar wird zeitweise geschlossen, die Unis schicken die Studenten nach Hause, weil Wohnheime für Polizisten gebraucht werden, die aus der ganzen Türkei zusammengezogen werden und Sicherheit zu Lande garantieren sollen. Für Meer und Luft ist die Armee zuständig. Für Flugzeuge über dem Tagungsareal gilt ein Abschussbefehl; eine ABC-Einheit steht für den Fall eines atomaren, biologischen oder chemischen Angriffs bereit. Der Rote Halbmond hat 1500 Leichensäcke bestellt.

Hintergrund des Sicherheitsaufgebotes ist die Lage im Nachbarland Irak, über die auf dem Nato-Gipfel vorrangig beraten werden soll. Die größte Sorge der Sicherheitskräfte gilt US-Präsident George W. Bush, für dessen Ankunft der Flughafen sechs Stunden lang geschlossen wird. Trotzdem soll Bush die Ansichten der Istanbuler zu hören bekommen: Für Demonstrationen stellt die Stadt 17 Plätze bereit.

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