Italien : Berlusconi erregt mit Nazi-Vergleich Aufsehen

Seine Kinder fühlten sich verfolgt wie jüdische Familien durch Adolf Hitler, weil die Justiz ihn politisch ausschalten wolle - mit diesem Nazi-Vergleich erregte Italiens früherer Ministerpräsident Silvio Berlusconi Aufsehen, mal wieder.

"Wirklich, alle sind gegen uns" - beklagte Italiens ehemaliger Ministerpräsident Silvio Berlusconi in einem Interview.
"Wirklich, alle sind gegen uns" - beklagte Italiens ehemaliger Ministerpräsident Silvio Berlusconi in einem Interview.Foto: dpa

Der frühere italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat abermals mit einem Nazi-Vergleich Aufsehen erregt. Seine Kinder fühlten sich verfolgt wie jüdische Familien durch Adolf Hitler, weil die Justiz ihn politisch ausschalten wolle, sagte der 77-Jährige.

Die Äußerungen stammen aus einem Interview des Journalisten Bruno Vespa für ein Buch und wurden am Mittwoch auszugsweise veröffentlicht. Auf die Frage, ob seine fünf Kinder ihn schon einmal aufgefordert hätten, sein Medienimperium zu verkaufen und Italien zu verlassen, antwortete Berlusconi: "Meine Kinder sagen, dass sie sich wie die jüdischen Familien in Deutschland unter dem Hitler-Regime fühlen. Wirklich, alle sind gegen uns."

Berlusconi sieht sich von der Justiz im eigenen Land verfolgt. Der Senat entscheidet Ende des Monats über einen Ausschluss des Mitte-Rechts-Politikers. Hintergrund ist dessen rechtskräftige Verurteilung wegen Steuerbetrugs. Mit einem Ausschluss aus der Kammer verlöre Berlusconi seine Immunität als Parlamentarier, die ihn vor Festnahmen schützt.

Dies könnte in weiteren Verfahren von Bedeutung sein, mit denen sich Berlusconi konfrontiert sieht. Unter anderem wird ihm Sex mit einer Minderjährigen vorgeworfen. Zwar hat ihn ein Gericht in der sogenannten “Bunga-Bunga-Affäre“ schuldig gesprochen. Berlusconi hat jedoch Berufung eingelegt, weist alle Vorwürfe von sich und sieht sich als Opfer einer Justizkampagne.

Schon 2003 hatte Berlusconi mit einem Nazi-Vergleich für einen Eklat im Europäischen Parlament gesorgt. Damals hatte er dem deutschen Abgeordneten Martin Schulz gesagt, er wolle ihn in einem italienischen Film für die Rolle eines KZ-Aufsehers vorschlagen, dafür sei er perfekt geeignet. Der Sozialdemokrat Schulz, der heute Präsident des EU-Parlamentes ist, hatte Berlusconi zuvor kritisiert.

Berlusconis Familie gehört zu den reichsten der Welt. Nach Schätzungen des "Forbes"-Magazins besitzt sie 6,2 Milliarden Euro. (Reuters)

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