Italien : Berlusconi gewinnt Kommunalwahlen im Norden

Bei den Kommunal- und Regionalwahlen in Italien hat das Mitte-rechts-Bündnis des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi deutlich an Boden gewonnen.

Rom - Der von Berlusconi erhoffte überwältigende Sieg blieb zwar aus, aber laut dem heute veröffentlichten Endergebnis schnitt das Bündnis vor allem im reichen Norden des Landes gut ab und eroberte die Mehrheit in fünf Provinz-Hauptstädten zurück. Das Mitte-links-Regierungsbündnis von Ministerpräsident Romano Prodi setzte sich in seiner Hochburg Genua und überraschend in Agrigent auf Sizilien durch. In vielen Städten und Gemeinden wird die Wahl erst in der zweiten Runde entschieden.

Das Mitte-rechts-Bündnis gewann auch in den Städten Verona, Asti, Alessandria, Monza and Gorizia seine 2002 überraschend verlorene Mehrheit zurück und verteidigte seine Mehrheit in Como und Belluna. Verona wird in Zukunft von einem jungen Bürgermeister der Lega Nord regiert, die weit rechts steht und eine Abspaltung des Nordens von Italien propagiert. In einigen Städten des Mitte-rechts-Lagers, darunter Parma und Tarent, erreichte das Mitte-links-Bündnis eine Patt-Situation und machte so eine zweite Wahlrunde nötig. Die Hauptstadt der Abruzzen, L'Aquila, wurde von Prodis Zusammenschluss zurückerobert. In den Fällen, in denen keiner der Kandidaten bei den Wahlen am Sonntag und Montag die absolute Mehrheit erreichte, finden am 10. und 11. Juni Stichwahlen statt.

Test für Prodi

Der jetzige Oppositionsführer Berlusconi wertete das Ergebnis als großen Erfolg für sein Lager. "Ganz Italien hat ein klares Signal an Prodi gesendet", sagte er. Im Vorfeld hatte Berlusconi für den Fall eines deutlichen Sieges seines Mitte-rechts-Bündnisses Prodis Rücktritt und vorgezogene Parlamentswahlen gefordert. Der Urnengang galt als Test für die Regierung, die seit einem Jahr im Amt ist. Der Generalsekretär der größten Regierungspartei Linksdemokraten (DS), Piero Fassini, räumte in einem Interview mit "La Repubblica" ein, dass "die Abstimmung zweifelsohne eine kritische Situation im Norden des Landes zum Ausdruck bringt."

Gewählt wurde in 856 Gemeinden sowie in sieben der 104 Provinzen. Stimmberechtigt waren mehr als zehn Millionen Italiener, rund ein Fünftel der italienischen Wählerschaft. Die Wahlbeteiligung lag bei der Kommunalwahl bei 74,8 Prozent und damit um etwas mehr als zwei Prozentpunkte unter der Beteiligung vor fünf Jahren. In den Provinzen ging die Beteiligung um sieben Punkte auf 57,4 Prozent zurück. (tso/AFP)

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