Italien : Berlusconi verschiebt Sparprogramm

Nach einer Protestwelle aus Unis und Schulen verschiebt Italiens Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi sein Sparprogramm. Die Reform sieht unter anderem den Abbau von 87.000 Lehrerstellen vor.

RomItaliens Regierung will zumindest ihr Programm für den Universitätsumbau vorerst verschieben. Italienische Zeitungen zitierten Premier Berlusconi mit den Worten, die Lage sei zu sehr aufgeheizt: "Wir machen jetzt mit etwas mehr Ruhe weiter." Man dürfe nicht auch noch die Universitäten in den Protest gegen die Schulreform ziehen, warnte der Chef der rechtspopulistischen Lega Nord, Umberto Bossi

In der vergangenen Woche war Italien von einer Protestwelle erfasst worden, wie es sie lange nicht erlebt hatte: Überall gingen Lehrer, Eltern, Schüler und Professoren gegen die sogenannte Schulreform auf die Straße, die Bildungsministerin Mariastella Gelmini ohne Konsultation - weder mit der Opposition noch mit Bildungskommissionen - durchs Parlament gepeitscht hat. Die Reform sieht den Abbau von 87.000 Lehrerstellen und 42.000 Posten in der Verwaltung der Schulen vor. Die Klassen sollen größer, Zwergschulen in ländlichen und Gebirgsregionen abgebaut werden. In der Grundschule soll der "einzigen Lehrers" wieder eingeführt werden. Bisher standen drei Lehrer für je zwei Klassen zur Verfügung - neben den Englisch- und Religionslehrern. Da die Einführung des "einen Lehrers" das Stundendeputat reduziert, hätten arbeitende Eltern keine Nachmittagsbetreuung mehr für ihre Kinder.

Auf der Piazza Navona im Rom, einem beliebten Touristenziel, wo die zentrale Protestdemonstration dieser Woche endete, hatte es am Mittwoch nach massiver Gewalt Verletzte gegeben. Nach offizieller Darstellung ging sie von linken Schülern und Studenten aus. Dem widersprechen Augenzeugenberichte und Amateurfotos von der Demonstration. Demnach versuchten Rechtsextreme vom "Studentischen Block", mit Gewalt und Schlägen, auf einem Kleinlaster ins Zentrum der Veranstaltung zu gelangen. Angeblich sah ein Großaufgebot von Polizei und Carabinieri tatenlos zu. ade/pak

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