Italien : Bersani gewinnt Vorwahl der Mitte-Links-Partei PD

Er ist ein alter Hase der Politik und könnte im Frühjahr neuer Premier werden. Bersani gewann die Urwahl des Mitte-Links-Bündnisses in Italien. Er setzt auf seine Erfahrung, die Linke ist im Aufwind.

Pier Luigi Bersani will die Macht in Rom. Er gilt als pragmatisch und kompetent
Pier Luigi Bersani will die Macht in Rom. Er gilt als pragmatisch und kompetentFoto: dpa

Er ist ein pragmatischer Linker mit wirtschaftlicher Kompetenz, erfahren im römischen Gerangel um Macht und Einfluss. Der Norditaliener Pier Luigi Bersani (61), Chef der Mitte-Links-Partei PD (Partito Democratico), hat sich bei den Urwahlen als Kandidat für das Amt des italienischen Premierministers durchgesetzt. Auch in Berlin lebende Italiener nahmen an der Urwahl teil. Das tief in der Rezession steckende Italien wählt im März oder April sein Parlament neu.

Bersani will versuchen, in der Folge linker Premiers wie zuletzt Romano Prodi in den Regierungspalazzo Chigi in Rom einzuziehen. Seine Chancen sind zwar durchaus nicht schlecht. Die derzeitige politische Gemengelage Italiens mit einem nicht vom Volk gewählten Technokraten Mario Monti an der Spitze der Regierung ist allerdings noch ziemlich unübersichtlich. Das Land steht jedenfalls vor einer spannenden Wahl.

Pier Luigi Bersani ist ein Mann des linken Establishments, ein ganz „normaler“, bodenständiger, etwas paternalistischer Politiker aus Bettola bei Piacenza in der Emilia-Romagna. SPD-Parteichef Sigmar Gabriel etwa schätzt seinen Kollegen, den studierten Philosophen aus einfachen Verhältnissen und mit kommunistischer Vergangenheit.

Erst Regionalpräsident im Norden, entwickelte er sich zu einem der linken Hoffnungsträger in einem stark von Silvio Berlusconi geprägten nationalen Umfeld. Zwischen 1996 und 2008 sammelte Bersani dann unter drei Mitte-Links-Regierungen als Minister für Industrie, Transport und Wirtschaft Erfahrungen und Lorbeeren, vor allem als Reformer und Liberalisierer. Bei der vor fünf Jahren gegründeten „Demokratischen Partei“ PD kamen als Chefs zwar zunächst Walter Veltroni und danach Dario Franceschini ans Ruder. Im Oktober 2009 übernahm dann Bersani.

In der Urwahl, die nicht zuletzt auch von der hohen Beteiligung her ein Erfolg war, setzte sich Bersani jetzt gegen den um Jahrzehnte jüngeren Matteo Renzi (37) durch. Einen Generationenwechsel gibt es also nicht. In einer TV-Direktkonfrontation machte der Florentiner Bürgermeister, angetreten als unideologischer Modernisierer, zwar die bessere Figur. Bersani punktete aber mit einem ruhigen Auftritt, ganz der abgeklärte Politiker. Etwas mehr Charisma könnte nicht schaden.

Das Mitte-Links-Bündnis, zu dem noch eine Reihe kleinerer Parteien und Gruppen zählen, hat sich in den vergangenen zwölf Monaten zu der ersten Kraft in Italien gemausert. In Umfragen liegt die PD allein weit vor allen anderen. Heillos zerstritten und weit abgeschlagen ist die Mitte-Rechts-Partei PdL (Volk der Freiheit) Silvio Berlusconis. Dabei hatte der Mailänder Milliardär und Medienzar vor seinem Abtritt Mitte November 2011 so lange der Politik seinen Stempel aufgedrückt.

Der von Staatspräsident Giorgio Napolitano eingesetzte Monti habe Italien in der Welt wieder glaubwürdig gemacht, das sei unumkehrbar, so hatte Bersani der dpa in einem Interview gesagt: Eine von seiner Partei geführte Regierung werde aber versuchen, „mehr Fairness, mehr Rechte und mehr Jobs zu schaffen.“ Sonst bleibe das Land im Notstand.

Es ist noch völlig unklar, ob sich nach den Parlamentswahlen nicht doch eine Mehrheit für eine Rückkehr des parteilosen Reformers Monti in den Palazzo Chigi in Rom findet, getragen etwa von der Bewegung Italiafutura des Ferrari-Chefs Luca Cordero die Montezemolo. Bersani stützt den früheren EU-Kommissar Monti, will ihn aber offensichtlich nicht in einem „Monti bis“, wie man in Italien sagt, in dieses Amt zurückkehren sehen. Ist doch Mario Monti für eine höhere Aufgabe im Gespräch - das „Belpaese“ sucht 2013 auch einen neuen Staatschef. (Hanns-Jochen Kaffsack, dpa)

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