Politik : Italien: Der Staatsfeind

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Roberto Castelli ist ein waschechter Legist. Zusammen mit seinem Parteifreund und Parteichef Umberto Bossi wettert er seit Jahren gegen ein vereintes Europa, gegen den Euro und gegen ein vereintes Italien. Als Silvio Berlusconi nach seinem Wahlsieg im Mai letzten Jahres die Forderungen seines drittstärksten Koalitionspartners, der Lega Nord, zufriedenstellen musste, bestand er dennoch auf Castelli als Justizminister. Ganz anders als der bärbeißige Bossi und andere Legisten, die kein Blatt vor den Mund nehmen, schien Castelli ein besonnener Mann zu sein.

Als sich am letzten Sonntag auf dem Kongress der Lega Nord Umberto Bossi mit unmissverständlichen Worten gegen die EU aussprach, applaudierten sämtliche Minister und Staatssekretäre seiner Partei. Einer Partei, die noch vor einem Jahr den italienischen Nationalstaat als "römische Besatzungsmacht des legistischen Norditalien" verteufelte. Nicht nur Bossi, auch Castelli hatte vor dem gemeinsamen Wahlkampf mit der Forza Italia Silvio Berlusconi als unmöglichen Koalitionspartner bezeichnet. Dann, so spottete Literaturnobelpreisträger Dario Fo, kam "nettes Händchenhalten und der gemeinsame Kampf gegen Unbequeme". Ein Mann wie Castelli, meinte die Schriftstellerin Dacia Maraini, die einen Appell gegen die Justizreformen der Regierung mitunterzeichnete, "dürfte nicht Minister eines Staates werden, den er noch vor kurzem entschieden ablehnte".

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