Politik : Italien: Die Zerreißprobe der linken Mitte ist vorbei

Werner Raith

Mit einer völlig überraschenden Erklärung während einer mitternächtlichen Fernsehsendung hat Italiens Ministerpräsident Giuliano Amato (64) das Rennen um die "Kanzlerkandidatur" der Mitte-Links-Koalition beendet: Er schlage seinem Bündnis vor, sich auf seinen Konkurrenten, den römischen Oberbürgermeister Francesco Rutelli, zu einigen - und gleichzeitig ein klares Bekenntnis zu der bis 2001 amtierenden Regierung abzugeben. Rutelli (46), der derzeit bei den Olympischen Spielen in Sydney weilt, zeigte sich von dem Vorschlag "aufs Höchste geehrt"; die Vorsitzenden der Koalitionsfraktionen stießen lange Seufzer der Erleichterung aus: Das Gerangel der beiden Prätendenten war drauf und dran, der linken Mitte auch noch die letzte Hoffnung auf einen Wahlsieg zu rauben. Rutelli erscheint aufgrund seiner Jugend und Unverbrauchtheit vielen als der einzige aussichtsreiche Herausforderer von Oppositionsführer Silvio Berlusconi.

Mit seinem Schritt hat Amato auch die bisher in Umfragen vor der Linken liegende Rechtsopposition überrascht. Die hatte sich - angeführt von den Medien Berlusconis - auf einen zehrenden Verschleiß der beiden linken Kandidaten eingestellt. Mit Rutelli muss sie sich nun auf einen Kandidaten einstellen, der, in dieser Hinsicht durchaus ähnlich seinem Gegner Berlusconi, ein äußerst pragmatisches Verhalten an den Tag legt, seine Meinung ohne Schwierigkeiten Wählerumfragen anpasst und Angriffe ungerührt abprallen lässt. Außerdem ist er weder von Interessenskonflikten belastet noch hat er Korruptionsverfahren am Hals.

Ob Rutelli allerdings eine zur Wahlabsicherung notwendige breitere Koalition als die derzeitige zustande bringt, muss sich erst zeigen. Die außerhalb der Koalition stehenden Neokommunisten haben bereits erklärt, ihnen sei der Name des Kandidaten gleichgültig - alleine das Programm zähle. Und auch der mit einer eigenen Liste antretende ehemalige Korruptionsoberermittler Antonio Di Pietro hat bereits verlauten lassen, dass sich für ihn "bis jetzt" nichts an seiner Koalitionskritik geändert habe.

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