Politik : Italien: Ex-WTO-Chef soll Außenminister werden

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Nach zehn Tagen Verhandlungen scheint festzustehen, wer italienischer Außenminister wird: der ehemalige Generaldirektor der Welthandelsorganisation Renato Ruggiero. Besonders Umberto Bossi von der Lega Nord wollte den parteilosen "Technokraten" auf dem wichtigen Ministerposten verhindern. Doch am Mittwoch hat Silvio Berlusconi ein Machtwort gesprochen: Es sei allein ihm als künftigem Regierungschef vorbehalten, dem Staatspräsidenten Minister vorzuschlagen. Im Laufe des Tages ruderte Bossi zurück: Er habe niemals sein Veto gegen Ruggiero eingelegt.

Der raubeinige Chef der Lega Nord hatte angekündigt, "im Unterhemd" ins Kabinett einziehen zu wollen. In Anspielung auf die Skepsis, die ihm im Ausland entgegengebracht wird, meinte Bossi nun ironisch: "Wir brauchen einen schönen Zweireiher im Kabinett, der mein Unterhemd wettmacht." Bossi, der unterdessen von einem norditalienischen Gericht wegen Verunglimpfung der italienischen Flagge zu 16 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde, gab an, als Gegenleistung für seine Zustimmung von Berlusconi die Zusage erhalten zu haben, dass seine Lega Nord einen der Kammerpräsidenten stellen wird.

Berlusconi, der nicht nur wegen seiner Verbündeten beargwöhnt wird, hofft, mit dem angesehenen Ruggiero verlorenen Kredit zurückgewinnen zu können. Der hatte aber die Bedingung gestellt, eine eigenständige Außenpolitik betreiben zu können.

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