Italien : Mail-Konten vieler Prominenter gehackt

Renzi, Draghi, Monti und noch mehr: Bei einer großangelegten Cyber-Attacke sind Hacker an die Daten von prominenten Italienern gekommen.

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Auch Mario Draghi wurde Opfer der Attacken.
Auch Mario Draghi wurde Opfer der Attacken.Foto: dpa

Die Liste der Opfer ist prominent besetzt: Zu den Persönlichkeiten, deren E-Mails ausspioniert worden sind, gehören laut der Römer Staatsanwaltschaft Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), die beiden italienischen Ex-Premiers Matteo Renzi und Mario Monti, der ehemalige italienische Notenbankchef Fabrizio Saccomanni, der Kommandant der italienischen Finanzpolizei sowie zahlreiche führende italienische Politiker und Unternehmer. Mit dem Kurienkardinal Gianfranco Ravasi wurde auch ein Vertrauter von Papst Franziskus ausgespäht.

Die Urheber der Cyber-Attacke sind verhaftet worden, wie die Römer Staatsanwälte erklärten. Bei den Tätern handelt es sich um einen 45-jährigen Nuklear-Ingenieur und dessen 49-jährige Schwester. Für ihre illegalen Tätigkeiten haben sie laut den Ermittlern ein sogenanntes Botnet aufgebaut – ein mit Spionage-Software infiziertes Computernetz, das in die Rechner der Opfer oder der von ihren geleiteten Institutionen eindrang und auf sensible Daten zugreifen konnte.

„Bei den angegriffenen Computern handelt es sich in vielen Fällen um Systeme, die bezüglich ihrer Bedeutung für die nationale und militärische Sicherheit relevant sind“, sagte die Untersuchungsrichterin Maria Paola Tomaselli. Die Opfer seien zum Teil mehrere Jahre lang ausspioniert worden. Die gestohlenen Daten wurden laut den Ermittlern auf Servern in den USA gespeichert: Unter der Bezeichnung „PoBu“ (Politicians Business) seien für jede einzelne der ausspionierten Personen eigene Dossiers angelegt worden. Die entsprechenden Server seien inzwischen von der Cyber Division der amerikanischen Bundespolizei FBI beschlagnahmt worden.

Wer war der Auftraggeber?

Zahlreiche Aspekte in dieser spektakulären Affäre sind aber mysteriös geblieben – angefangen bei den beiden Verhafteten. Von ihnen erfuhr man nur, dass sie in Rom gemeldet sind, aber in London leben sollen. Medien berichteten außerdem, dass sie in der Hochfinanz der Hauptstadt gut vernetzt seien. Ebenfalls unbekannt ist, welche Daten in den Besitz der beiden Cyber-Kriminellen gelangt sind. Laut den Untersuchungsbehörden ist von Matteo Renzi offenbar auch der private Apple-Account gehackt worden.

Unklar ist aber auch, ob die beiden Verhafteten ihre Spionagetätigkeit auf eigene Rechnung oder im Auftrag anderer ausgeführt haben – und zu welchem Zweck. Etwas beunruhigend ist in diesem Zusammenhang, dass auf den verwendeten US-Servern auch eine Datei- Sammlung mit der Bezeichnung „Bros“ (amerikanische Kurzform für „Brüder“) entdeckt wurde. Laut der Staatsanwaltschaft enthält sie Angaben über eine Freimauerloge und ihre Mitglieder.

Ist die Loge ebenfalls Opfer der Spionage? Oder gar Auftraggeber? „Das gehäufte Auftauchen bestimmter Adressen lässt vermuten, dass es sich nicht um eine Initiative von Einzeltätern handelt, sondern dass es einen übergeordneten Kontext gibt“, sagten die Ermittler und betonten, dass der männliche Täter ebenfalls Freimaurer sei. Damit werden Erinnerungen an die Geheimloge Propaganda 2 (P2) von Licio Gelli wach, die in den 70er Jahren weite Teile der italienischen Politik sowie des Militärs, der Sicherheitsapparate und der Geheimdiensten infiltriert hatte.

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