Italien : Prozess gegen früheren Cap-Anamur-Chef eröffnet

Der frühere Chef der Hilfsorganisation Cap Anamur, Elias Bierdel, muss sich vor einem Gericht im süditalienischen Agrigent wegen der angeblichen Begünstigung illegaler Einreise verantworten.

Rom - Mit ihm sind der Kapitän des Schiffs "Cap Anamur", Stefan Schmidt, und der Erste Offizier, der Russe Wladimir Dschkewitsch, angeklagt. Die "Cap Anamur" hatte im Juni 2004 im Mittelmeer 37 afrikanische Flüchtlinge entdeckt und nach Sizilien gebracht. Die Crew-Führung wurde festgenommen. Die Angeklagten müssen mit einer Gefängnisstrafe von vier bis zwölf Jahren sowie einer Geldstrafe von 15.000 Euro für jeden ins Land gebrachten Flüchtling rechnen. Während der ersten Anhörung wurde vor allem der Zeitplan für den Prozess diskutiert. Als nächster Verhandlungstag wurde der 11. Dezember festgelegt.

In einem von der Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche und Pro Asyl initiierten Aufruf protestierten über 20 Menschenrechtsorganisationen aus Deutschland, Italien und Österreich gegen den Beginn des Prozesses. "Humanitäre Hilfe für Menschen in Not ist keine Straftat", hieß es in dem Aufruf. Das Verfahren müsse schnell beendet und Schmidt, Bierdel und Dschkewitsch rehabilitiert werden.

Bierdel weißt alle Vorwürfe zurück

"Die italienischen Behörden sind in rechtlicher und auch in politischer Hinsicht dazu gezwungen, die Wiederholung solcher Aktionen zu verhindern, auch wenn sie aus edler Absicht geschehen. Wir riskieren sonst, Trojanische Pferde hereinzulassen, mit denen Tausende von Leuten zu uns kommen würden", sagte der Oberstaatsanwalt von Agrigent, Ignacio de Francisci, dem am Sonntagabend ausgestrahlten Kulturmagazin des Hessischen Rundfunks "ttt - Titel, Thesen, Temperamente". Das Schiff sei zudem sehr lange unterwegs gewesen, und es sei so viel Presse an Bord gewesen, dass der Schluss naheliege, Bierdel sei es vor allem um die Publicity gegangen.

Bierdels Vorgehen war auch innerhalb seiner Organisation umstritten. Das Notärztekomitee wählte ihn im Oktober 2004 als Chef der Organisation ab. Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck äußerte öffentlich den Verdacht, dass es Bierdel auch um die Mediendarstellung gegangen sein könnte. Bierdel selbst wies alle Vorwürfe, er habe die Flüchtlinge instrumentalisieren wollen, zurück. (tso/AFP)

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