Politik : Italien siegt – Deutschland feiert

Robert Ide

Entscheidung gegen Frankreich fällt beim Elfmeterschießen Rote Karte beendet die große Karriere von Zidane Hunderttausende bejubeln in Berlin das deutsche Team


Berlin - Italien ist Fußball-Weltmeister 2006. Im WM-Finale siegte die Mannschaft von Trainer Marcello Lippi 5:3 im Elfmeterschießen gegen Frankreich, nach Verlängerung und regulärer Spielzeit hatte es 1:1 gestanden. Das entscheidende Tor schoss Fabio Grosso und bescherte seinem Land den vierten WM-Titel. Den Führungstreffer für die Franzosen im Berliner Olympiastadion erzielte Kapitän Zinedine Zidane, der aber in seinem letzten Spiel im Nationaltrikot ausrastete und nach einem Kopfstoß gegen Marco Materazzi vom Platz gestellt wurde. Materazzi hatte zuvor Zidanes Tor ausgeglichen. Italiens Kapitän Fabio Cannavaro reckte den goldenen Siegerpokal in die Höhe. Mit der feierlichen Zeremonie ging am Sonntagabend die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu Ende.

Vor dem Endspiel hatte sich die deutsche Nationalmannschaft mit einer begeisterten Feier im Berliner Stadtzentrum von ihren Fans verabschiedet. Etwa 800 000 Menschen jubelten auf der Fanmeile dem Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann zu, das am Samstag in Stuttgart mit einem 3:1-Sieg über Portugal den dritten WM-Platz errungen hatte.

Das Finale vor 69 000 Zuschauern im Olympiastadion war geprägt von offensivem Tempofußball beider Mannschaften. Das Führungstor durch Zidane, dessen Elfmeter von der Latte knapp hinter die Torlinie sprang, glich der Italiener Marco Materazzi per Kopfball noch in der ersten Halbzeit aus. In einem offenen Duell, das in der Verlängerung von Zidanes Ausraster geprägt wurde, wurde schließlich Grosso mit dem letzten verwandelten Elfmeter zum Helden für Italien. Zuvor hatte Frankreichs David Trezeguet verschossen.

Die Spieler und das Betreuerteam des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bedankten sich am Sonntagmittag mit ihrem Besuch auf Deutschlands größtem Fanfest für die Unterstützung der Anhänger während des Turniers. Die Spieler, die enthusiastisch gefeiert wurden, trugen T-Shirts, auf denen in schwarz-rot-goldenen Buchstaben „Danke Deutschland“ stand. „Wir sind zusammen diesen Weg gegangen, es hat riesigen Spaß gemacht“, sagte Klinsmann. Er mochte sich auch am Sonntag nicht zu der Frage äußern, ob er weiter Bundestrainer bleibt. Er wolle noch nachdenken: „Bitte gebt mir noch ein paar Tage.“

Klinsmann war vor knapp zwei Jahren mit dem Ziel angetreten, Weltmeister zu werden. Die Mannschaft bot Offensivfußball und wurde erst im Halbfinale von Italien gestoppt. Alle Entscheidungsträger im DFB baten den in Kalifornien lebenden Trainer, die Mannschaft weiter zu betreuen und sie zur Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz zu führen. Klinsmann zeigte sich auch in Berlin beeindruckt von der Euphorie, die sein Team entfacht hat. „Ihr seid die Geilsten“, rief Kapitän Michael Ballack den Fans zu. Erfolgreichster Torjäger der WM wurde mit fünf Treffern der deutsche Stürmer Miroslav Klose.

Das WM-Finale und die farbenfrohe Schlussfeier mit dem Auftritt der Sängerin Shakira verfolgten weltweit mehr als eine Milliarde Menschen. Insgesamt haben zusammengerechnet rund 30 Milliarden Zuschauer die Spiele der 18. Fußball-Weltmeisterschaft gesehen. Die WM, die am 9. Juni in München begonnen hatte, fand in zwölf Städten statt. Deutschlandweit feierten Millionen Menschen mit den Gästen aus aller Welt ein ausgelassenes Fest. „Der Gewinner der WM ist der Fan“, sagte Organisationschef Franz Beckenbauer, der bereits die WM-Bewerbung zum Erfolg geführt hatte. 15 000 Freiwillige halfen bei der Organisation.

Während der Weltmeisterschaft, die mit massiven Sicherheitsvorkehrungen geschützt wurde, gab es kaum Zwischenfälle. In Stuttgart, Frankfurt am Main und Dortmund war es zu Schlägereien betrunkener Fans gekommen, auf der Berliner Fanmeile hatte es bei einer Amokfahrt eines 33-Jährigen 21 Verletzte gegeben. Insgesamt blieb die Stimmung nach Angaben des WM-Sicherheitszentrums in Berlin „ausgelassen und friedlich“.

In den Stadien sahen 3,2 Millionen Zuschauer die 64 Spiele. Die personengebundenen Eintrittskarten wurden allerdings kaum mit den hinterlegten Daten kontrolliert. Erstmals bei einer WM waren alle Spiele ausverkauft und die Tribünen – bis auf eine Ausnahme in Leipzig – voll besetzt. Der Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa, Joseph Blatter, lobte das Turnier als „beste Weltmeisterschaft aller Zeiten“. Die nächste Fußball-Weltmeisterschaft findet 2010 in Südafrika statt. In den deutschen Stadien rollt ab dem 11. August wieder der Fußball – dann geht die Bundesliga in eine neue Saison.

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