Italien : „Task Force“ soll Vorschläge gegen Jugendarbeitslosigkeit machen

von

„Italien ist eine demokratische Republik, gegründet auf Arbeit.“ Zum Nationalfeiertag am Sonntag hat Staatspräsident Giorgio Napolitano wieder auf diesen Artikel 1 der Verfassung hingewiesen – und darauf, dass bei einer Jugendarbeitslosigkeit von 41,9 Prozent nicht nur die Zukunft einer Generation verlorengeht, sondern auch das Fundament des Staates bröckelt. „Sofort“ müsse agiert werden, sagt Regierungschef Enrico Letta. „Sofort“ – dieses Politikerversprechen kursiert seit Jahren. Und doch hat sich die Arbeitslosenrate allein seit 1997 unaufhaltsam verdoppelt. Mit 23,9 Prozent hält Italien europaweit auch den Spitzenplatz bei den „Neet“: Die Zahl der unter 25-jährigen, die „nicht in der Schule, nicht in einer Ausbildung, nicht im Beruf“ stehen, liegt bei 2,25 Millionen.

Premier Letta hat eine „Task-Force“ eingesetzt, die „noch vor dem Sommer dem Parlament einen nationalen Aktionsplan zur Abstimmung vorlegen“ soll, um die Jugendarbeitslosigkeit auf unter 30 Prozent zu drücken. Zu hören ist von Steueranreizen für Betriebe, die junge Leute einstellen. Eine „Stafette“ von Alt nach Jung soll die Kluft überbrücken, die zwischen der hohen Beschäftigungsquote Älterer und der Chancenlosigkeit Jüngerer klafft. Man denkt an Instrumente wie die Altersteilzeit, die in Deutschland längst Usus sind, in Italiens versteinertem Arbeitsmarkt bisher aber keine Chance hatten.

Fortgesetzt werden sollen wohl auch die bisher im Unterholz der Paragraphen und der Firmenpraxis hängen gebliebenen Versuche, eine Berufsausbildung einzuführen, womöglich sogar eine duale nach deutschem Vorbild. Die Zahl der Lehrlingsverträge spielt in Italien bisher kaum eine Rolle, und selbst wenn einzelne Firmen solche anbieten, gibt es keine allgemein anerkannten Ausbildungspläne, -abschlüsse oder Berufsfelder. Das erschwert die landesweite Vermittelbarkeit. Andere Firmen stellen Lehrlinge ein, um Steuervorteile mitzunehmen, bilden sie aber nicht aus.

Gegen den Willen der Gewerkschaften will die Regierung zeitlich begrenzte Arbeitsverträge erleichtern; ferner sollen junge Leute bei der Gründung eigener Unternehmen unterstützt werden. Geplant ist auch eine Neuorganisation der staatlichen Arbeitsämter, die bei der Vermittlung von jungen Leuten praktisch bedeutungslos sind. Die meisten Jobs werden über persönliche Beziehungen gefunden. Aber, sagt der Staatspräsident, „wenn heute bei Millionen von jungen Leute selbst das nicht mehr klappt, dann geht’s psychologisch abwärts.“

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar