Italien : Tumulte bei Parlamentssitzung zu Telecom-Vorwürfen

Eine Erklärung von Ministerpräsident Romano Prodi zur Privatisierung der Telecom Italia hat im Parlament in Rom zu tumultartigen Szenen geführt.

Rom - In der Affäre um die Telecom Italia hat der italienische Regierungschef Romano Prodi eine Stellungnahme vor dem Parlament wegen wiederholter Störungen durch oppositionelle Abgeordnete unterbrechen müssen. Mehrere Aufrufe zur Ruhe des Präsidentes des Abgeordnetenhauses, Fausto Bertinotti, verhallten zunächst ungehört. Nachdem Prodi acht Mal erfolglos versucht hatte, das Wort zu ergreifen, unterbrach Bertinotti die Sitzung und rief die Fraktionschefs der im Parlament vertretenen Parteien zu einem Treffen zusammen. Erst nach einer Dreiviertelstunde konnte Prodi das Wort ergreifen und dementierte, dass er die Telecom Italia habe verstaatlichen wollen.

Prodi hatte sich Mitte September gegen eine Aufspaltung der Telecom Italia in eine Festnetz- und eine Mobilfunk-Sparte ausgesprochen, was den Rücktrit von Konzern-Chef Marco Tronchetti Provera zur Folge hatte. Sowohl Provera als auch die Opposition warfen Prodi eine unzulässige Einmischung in die Führung eines Privatunternehmens vor. Den Zorn der Abgeordneten der Opposition im Parlament löste Prodis aus, als er gleich zu Beginn seiner Rede auf die Privatisierung der ehemaligen Staatsholding Iri zu sprechen kam, die er 1993 einleitete.

Unabhängig von dem Streit um ihre Unternehmensstrategie steht die Telecom Italia derzeit im Mittelpunkt eines landesweiten Abhörskandals. Der frühere Chef für Sicherungssysteme des Unternehmens, Giuliano Tavaroli, war vergangene Woche zusammen mit 20 weiteren Verdächtigen festgenommen worden. Ihnen wird die Beteiligung an einem weit verzweigten illegalen Abhörring vorgeworfen, der zahlreiche prominente Politiker, Sportler und Wirtschaftsführer über Jahre hinweg ausspioniert haben soll. (tso/AFP)

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