Politik : Italien: Umweltminister wegen Streits mit Vatikan zurückgetreten

Clemens Wergin

Wenige Tage vor den italienischen Parlamentswahlen am 13. Mai ist jetzt der italienische Umweltminister Willer Bordon zurückgetreten. Der Grüne protestierte so gegen den Kompromiss zwischen der italienischen Regierung und dem Vatikan, der den Streit über die überhöhten Strahlenwerte des Radio Vatikan beilegen sollte. Bordon hatte sich schon zu Beginn des Jahres hinter die Bewohner von Cesano an der Peripherie Roms gestellt, die gegen die riesigen Sendeanlagen protestieren, weil sie eine direkte Verbindung zwischen dem Tod eines an Leukämie erkrankten zehnjährigen Mädchens und den um ein vielfaches über den erlaubten Werten liegenden elektromagnetischen Strahlen vermuten. Die Angelegenheit ist aber heikel: Das 425 Hektar große Landstück, auf dem die Anlagen stehen, ist exterritoriales Gebiet.

Ohne direkten Zugriff auf vatikanisches Territorium hatte Bordon dem Vatikan dennoch Mitte März ein Ultimatum gestellt. Entweder werde der Sender die italienischen Gesetze respektieren, oder werde der Energieversorger "Enel" angewiesen, die Verbindung zu den Sendeanlagen zu kappen. Schon damals hatte die Regierung Bordon überstimmt und dem Vatikan Zeit bis zum 30. April gelassen. Nun wurde ein Kompromiss gefunden, der lange Übergangsfristen vorsieht und die Entscheidung über die endgültige Lösung bis nach den Wahlen verschiebt. Ein Gesichtsverlust für Bordon, der zu oft mit Rücktritt gedroht hat, als dass er jetzt hätte bleiben können.

Francesco Rutelli, Spitzenkandidat der Regierung und Ex-Grüner, ist nicht begeistert. Unterstreicht der Rücktritt Bordons doch abermals die Zerstrittenheit des eigenen Lagers. Willer Bordon hat sich aber verkalkuliert. Er wollte sich als Anwalt der Bürger profilieren und hoffte zudem, antikirchliche Wähler durch seine harte Haltung an die Grünen zu binden. Denn seit der Rekatholisierung der Öffentlichkeit im Zuge des heiligen Jahres hat sich auch das linke Lager der Kirche angenähert. Laizistische Positionen werden nur noch von den "Radikalen" und der "Rifondazione comunista" vertreten, die keinem der großen Lager angehören. Doch Bordon hatte mit seiner Politik der Härte gegen den Vatikan im Kabinett wenig Fürsprecher. Einmal, weil Gesundheitsminister Umberto Veronesi eine Kampagne gegen die niedrigen italienischen Grenzwerte beim Elektrosmog führt. Andererseits, weil zwischen den Lagern ein Kampf um die Stimmen der Katholiken entbrannt ist.

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