Politik : Italien zieht Truppen aus Irak ab

Italien, einer der engsten Verbündeten der USA, beginnt von September an mit dem Abzug seiner Truppen aus dem Irak. Das Kontingent werde auf jeden Fall noch vor Ende des Jahres reduziert, erklärte Ministerpräsident Silvio Berlusconi. In Italien sorgte die Ankündigung für Aufruhr. (16.03.2005, 12:30 Uhr)

Rom - Mit Unverständnis reagierten Oppositionspolitiker und Kommentatoren darauf, dass Berlusconi den Rückzug des Kontingents am Dienstagabend in einer Fernseh-Talk-Show ankündigte. Es sei ein «grober Schnitzer» des Regierungschefs, den Abzug der Truppen im TV zu verkünden, «während die Abgeordnetenkammer gerade über die weitere Finanzierung der Mission abstimmt», erklärte der Chef der Linksdemokraten, Piero Fassino. Oppositionsführer Romano Prodi sagte, er sei «fassungslos».

Berlusconi hatte im italienischen RAI-Fernsehen erklärt, Italien werde im September mit dem Rückzug beginnen, falls die Sicherheitslage bis dahin «akzeptabel» sei. Er habe bereits mit dem britischen Premierminister Tony Blair über einen solchen Schritt gesprochen: «Die öffentliche Meinung in unseren Ländern fordert diese Entscheidung», sagte Berlusconi.

Italien hat über 3000 Soldaten im Irak stationiert und gilt als einer der engsten Verbündeten der USA. Die meisten Italiener sind jedoch gegen die Mission. Die Mitte-Links-Opposition fordert seit längerem den Rückzug der Truppen, war aber immer auf den Widerstand der Regierungskoalition gestoßen.

USA: Kein Zusammenhang mit Todesschüssen

Die US-Regierung dankte Italien für den Truppeneinsatz im Irak. Italien habe gemeinsam mit den Irakern und anderen Ländern Dienst geleistet und Opfer gebracht, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, am Dienstag in Washington. US-Außenministerin Condoleezza Rice erklärte, sie vertraue darauf, dass jede Entscheidung über die italienischen Truppen so koordiniert werde, dass die Mission im Irak nicht gefährdet ist. Einen Zusammenhang zwischen dem von Ministerpräsident Berlusconi angekündigten Truppenabzug aus dem Irak und den Todesschüssen auf einen italienischen Geheimdienstmitarbeiter in Bagdad gebe es nicht, sagte McClellan.

Im Zuge des Geiseldramas um die Journalistin Giuliana Sgrena hatte Hunderttausende in Italien für einen Rückzug der Truppen demonstriert. Nach Sgrenas Freilassung hatten Anfang März US-Soldaten auf dem Weg zum Bagdader Flughafen auf deren Wagen geschossen. Dabei waren ein Geheimdienstmitarbeiter getötet, Sgrena und ein weiterer Beamter verletzt worden. Die USA haben Rom eine umfassende Aufklärung des Vorfalls zugesagt. (tso)

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