Politik : ITALIEN

Alte und neue Faschisten.

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Gianluca Casseri, der 50-Jährige, der in Florenz zwei senegalesische Straßenhändler ermordet und drei verletzt hat, stand der „Casa Pound“ nahe. Das ist eine der vier Hauptkräfte des italienischen Rechtsextremismus. Die „Casa Pound“ – mit nach eigenen Angaben bis zu 4000 Anhängern in ganz Italien – nennt sich nach dem amerikanischen Dichter Ezra Pound, der bis zu seinem Tod ein Anhänger von Benito Mussolinis Faschismus war. Die Mitglieder der „Casa Pound“ selbst bezeichnen sich als „Faschisten des Dritten Jahrtausends“.

2003 mit der Besetzung eines leer stehenden Hauses in Rom gegründet – das dann von der Stadt gekauft wurde und in dem die Organisation ihr Zentrum hat –, gibt sich die „Casa Pound“ gerne als moderne, saubere, sozial engagierte, vor allem aber intellektuelle Organisation. Sie unterhält Versammlungszentren in ganz Italien, Buchhandlungen, Kneipen, ein Internetradio. Sie sucht und findet derzeit viel Zulauf bei Studenten und Schülern. Zu ihren Jungtalenten zählt sie den Sohn des römischen Bürgermeisters. Doch es brodeln Rivalitäten im rechten Lager – vor allem zwischen der „Casa Pound“ und der „Forza Nuova“, der „Neuen Kraft“, die aus den vielfältigen Spaltungen und Umformungen der Postfaschisten übrig geblieben ist. Die „Forza Nuova“ steht unter Führung von Roberto Fiore, der in den 80er Jahren einer Haft wegen „Bildung einer bewaffneten Bande“ durch Flucht nach Großbritannien auswich. 2008, als die Duce-Enkelin Alessandra Mussolini ins Abgeordnetenhaus gewählt wurde, übernahm Fiori für ein Jahr deren Sitz im Europaparlament. Die politische Allianz mit Mussolini und deren Wahlbündnis mit Silvio Berlusconi brachten es mit sich, dass Rechtsextremisten auch auf die Kandidatenlisten der Berlusconi-Koalition kamen.

Die dritte Kraft des italienischen Rechtsextremismus sind die Ultras, die radikalen Fangruppen aus den Fußballstadien. Gerade in der sozial schwierigen Peripherie der Großstädte kommt es zu einer offenbar immer stärkeren Durchdringung von Fußball-Tifosi und Rechtsextremen. Die vierte, auffällige Kraft des Rechtsextremismus ist die Neonazigruppe „Militia“. Sie hetzt vor allem gegen Juden und „das Kapital“ und huldigt einem erzkonservativen katholischen Integralismus, scheint aber nicht viel mehr als Hundert Mitglieder zu haben. Paul Kreiner

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