Politik : Italiener blockieren US-Waffentransporte

Kriegsgegner hindern Züge an der Fahrt in die größte amerikanische Militärbasis des Landes

Thomas Migge

Rom. Die Verlegung von Kriegsmaterial aus nordostitalienischen US-Basen nach Camp Darby, der größten US-Militärbasis in Italien, hat am Wochenende zu heftigen Protesten italienischer Kriegsgegner geführt. Am Samstag wurden Güterzüge an verschiedenen Stellen des Schienennetzes in Richtung Toskana an ihrer Fahrt gehindert. Hunderte von Protestierenden besetzten die Gleise, stiegen in die Lokomotiven und versuchten, mit den Zugführern zu diskutieren.

Die Protestierenden warfen der Regierung Berlusconi vor, sich zum „Handlanger der USA” zu machen und auf Staatskosten amerikanische Waffen zu transportieren. Die Proteste wurden von Gewerkschaften, Linksparteien und den Organisationen der Globalisierungsgegner unterstützt. Die Aktionen erregten so viel Aufsehen, dass eine Mehrheit der Hafenarbeiter in Livorno, von wo aus US-Waffenmaterial in den Nahen Osten verschifft werden könnte, im Fall solcher Transporte ihre Arbeit niederlegen wollen. Die Waffentransporte aus Nordostitalien erreichten Camp Darby schließlich erst nach stundenlangen Verspätungen und massivem Polizeieinsatz am späten Samstagabend.

Camp Darby nimmt ein Gebiet von zirka 1000 Hektar Land der Maremma ein, wie jener Landschaftsstrich der westlichen Toskana heisst. Im Camp leben und arbeiten 1000 Menschen. Die Basis ist heute das grösste US-amerikanische Waffendepot ausserhalb des Gebiets der USA. Hier befinden sich nach Angaben der amerikanischen Stiftung „GlobalSecurity.org“, die Daten und Fotomaterial, gesammelt von kommerziellen Satelliten, der Öffentlichkeit via Internet zur Verfügung gestellt hat, eine Reihe von Waffen. 2600 militärische Transportfahrzeuge, 35 Panzer, 70 Kampffahrzeuge des Typs Bradley sowie 20 000 Tonnen Munition und 8100 Tonnen Explosivstoffe, deren genaue Zusammensetzung den Italienern nicht bekannt ist.

Seit Jahren versuchen Bürgerinitiativen erfolglos, Informationen über den Inhalt des Waffen- und Munitionslagers zu erhalten. Vor kurzem wurde allerdings bekannt, dass vor zwei Jahren aus den unterirdischen Bunkern hochgefährliche Bomben transportiert worden waren. „Solange wir nicht wissen, welche Kampfstoffe dort aufbewahrt werden“, so Ermete Reallacci, Präsident der Umweltorganisation Legambiente, „können wir auch nicht ausschließen, dass die gesamte Region bei einem Attentat durch Giftstoffe verseucht wird“. Inzwischen fordern auch die Bürgermeister der umliegenden Ortschaften Aufklärung über den Inhalt des Depots. Bisher allerdings ohne Erfolg – auch bei der eigenen Regierung.

Ebenfalls am Wochenende haben freiwillige „menschliche Schutzschilde“ aus Großbritannien, Spanien, Italien, der Türkei und anderen Ländern im Irak mit ihren Aktionen begonnen, mit denen sie einen drohenden Krieg abzuwenden hoffen. „Ich bin zutiefst bewegt und habe höchsten Respekt vor diesen Leuten“, erklärte Ken O’Keefe, der Gründer der internationalen Schutzschild-Bewegung, am Sonntag im Elektrizitätswerk Bagdad-Süd. Er bezog seine Worte auf 15 Aktivisten, die mit ihrem Gepäck und Schlafsäcken im Kulturhaus des E-Werks eingezogen sind. Eine erste Gruppe „menschlicher Schutzschilde“ hatte am Freitagabend in der Kläranlage „7. April“ im Norden von Bagdad Stellung bezogen. Die 17 Spanier, Italiener, Marokkaner, Finnen und Schweden wollen sich in Schichten mit anderen Aktivisten abwechseln. (mit dpa)

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