Politik : Italiener haben weniger Lust zum Wählen

Rom - Ohne Zwischenfälle, aber mit etwas geringerer Beteiligung als vor zwei Jahren hat in Italien am Sonntag die zweitägige Parlamentswahl begonnen. Wählen durften 47 Millionen Bürger; die etwa 2,8 Millionen Italiener im Ausland konnten bereits in den vergangenen Wochen per Brief abstimmen. Die Beteiligung im Ausland, wo nach 2006 erst zum zweiten Mal gewählt wird, lag wieder bei etwa 44,2 Prozent. In Italien selbst hatten gestern bis 12 Uhr mittags 16,35 Prozent der Bürger ihre Stimme abgegeben; 2006 lag die Quote bei 17,64 Prozent. Gewählt werden neben den Deputierten für Senat und Abgeordnetenhaus auch die Bürgermeister und Gemeinderäte in mehr als 420 italienischen Kommunen, darunter in der Hauptstadt Rom, sowie die Regionalregierungen in Sizilien und Friaul.

In Sorrent bei Neapel wurde ein Mann angezeigt, weil er im Wahllokal öffentlich seinen Stimmzettel zerrissen und aufgegessen hatte. Zur Begründung sagte der 41-jährige Produzent von Zitronenlikör, die Politik ekle ihn an. In Rom wurden zwei weitere Männer, darunter ein städtischer Polizist, angezeigt, weil sie ihre Handys mit in die Wahlkabine genommen hatten; die Geräte wurden beschlagnahmt. Der Innenminister hat die Mitführung zumindest von Fotohandys verboten, um Wahlbetrug zu verhindern. Mit Fotos ihrer Wahlzettel beweisen gekaufte Wähler ihren Geld- oder Auftraggebern, dass sie ihr Kreuzchen tatsächlich an der vereinbarten Stelle gemacht haben – im Süden eine verbreitete Praxis. Trotz des vorerst schwachen Andrangs gab es gelegentlich Schlangen vor den Wahlkabinen. Der Chef der früher mit Berlusconi verbündeten christdemokratischen UDC, Pier Ferdinando Casini, wartete mit Frau, kleiner Tochter und dem vor einer Woche geborenen Jüngsten eine halbe Stunde, bevor er im römischen Nobelquartier Parioli seine Stimme abgeben konnte. Bei dieser Gelegenheit mache das Schlangestehen sogar Spaß, kommentierte Casini. pk/ade

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