Politik : Italiens Rechte: Das Gespenst des Faschismus lebt wieder auf

Werner Raith

Dass der Mann Kreide gefressen hat, mutmaßen seine Gegner schon seit langem; inzwischen lehrt er auch seine Freunde und Parteigenossen das Fürchten: Francesco Storace, 41, vordem Neofaschist, inzwischen bei der Nationalen Allianz (AN) und vergangenes Frühjahr zum Präsidenten der Region Lazio gewählt. Storace hat Italiens Politik in kurzer Zeit so gründlich aufgemischt wie selten jemand zuvor. Zuerst mit seinen Invektiven gegen die Homosexuellen in Rom, dann mit harschen "Einwänden" gegen die moderate Politik seines eigenen Parteichefs Gianfranco Fini und schließlich mit der Forderung, Italiens Schulbücher von der "Sichtweise der Resistenza gegen den Nazismus zu reinigen". Das hat unversehens das längst beerdigt geglaubte Gespenst des Faschismus in Italien wieder aufleben lassen.

Vorbei die Zeiten, in denen sich die AN dem gemäßigten Bürgertum empfahl, Fini den Faschistengründer Mussolini "differenzierter als früher" darstellte und KZ-Gedenkstätten besuchte - Storace zwingt seine Parteiführung unnachgiebig immer weiter zurück nach rechts. Und da Neuwahlen anstehen und rechte Strategen im Volk eine gewisse Zustimmung vermuten, hat eiligst der gesamte Rechts-Pool um Silvio Berlusconi den Marsch ins faschistoide Neandertal begonnen.

Denn offenbar fällt niemandem ein wirksames Gegenmittel ein, auch nicht auf der Linken. Senatspräsident Nicola Mancino merkte an, dass man "geschichtliche Wahrheiten nicht mit Zensur und schwarzen Listen", sondern "nur mit pluralistischer Darstellung erhält". Wonach ihn Storace öffentlich als "Lügner" bezeichnete, "weil Sie doch selbst nicht glauben, was Sie sagen".

Nur einige wenige versuchen angesichts der noch immer hohen Wahrscheinlichkeit eines Wahlsiegs der Rechten im Frühjahr 2001 diesen Kräften entgegenzutreten. So hebt der Vorsitzende des italienischen Richterbundes, Gennaro, einen anderen faschistoiden Zug der derzeitigen Rechten hervor - den mangelnden Respekt vor den demokratischen Institutionen. "Wie kann einer wie Berlusconi Ministerpräsident werden, wenn er keinerlei Sinn für die Tätigkeit etwa der Jusitz zeigt" fragt er angesichts der wiederholten schweren Angriffe des selbst in mehrere Strafverfahren verwickelten Mailänder Medienzaren auf Gerichte und Staatsanwälte. Als Berlusconi daraufhin dem Richter ein Komplott gegen seine Wahl zum Regierungschef unterstellte, zog Gennaro aber seine Kritik erschrocken wieder weitgehend zurück.

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