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IWF-Chef : Strauss-Kahn gibt angeblich "einvernehmlichen Sex" zu

IWF-Chef Strauss-Kahn ist in einem berüchtigten US-Gefängnis inhaftiert. Spekuliert wird derweil über seine Verteidigung, in der er sich möglicherweise auf "einvernehmlichen Sex" beruft. Die Debatte um seine Nachfolge an der IWF-Spitze läuft bereits.

Nafissatou Diallo sieht zufrieden aus. Gut anderthalb Jahre nach der spektakulären Festnahme von Dominique Strauss-Kahn in New York ist der Fall um eine angebliche Vergewaltigung abgeschlossen. Unter welchen Bedingungen sich Diallo und Strauss-Kahn aber geeinigt haben, ist unbekannt. Natürlich wird heftig spekuliert.Weitere Bilder anzeigen
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10.12.2012 22:01Nafissatou Diallo sieht zufrieden aus. Gut anderthalb Jahre nach der spektakulären Festnahme von Dominique Strauss-Kahn in New...

In der Sex-Affäre um Dominique Strauss-Kahn zeichnet sich eine mögliche Verteidigungsstrategie des IWF-Chefs ab: Der wegen sexueller Belästigung und versuchter Vergewaltigung in den USA angeklagte 62-Jährige könnte vor Gericht argumentieren, dass er mit dem Zimmermädchen eines New Yorker Hotels "einvernehmlichen Sex" hatte.

Nach einem Bericht des Boulevardblatts "New York Post" geht der Anwalt des Franzosen nicht davon aus, dass das mutmaßliche Opfer zu einem sexuellen Kontakt gezwungen wurde. Zudem zitiert das Blatt eine ungenannte Quelle aus dem Umfeld seiner Anwälte mit den Worten: "Es ist durchaus möglich, dass sie einverstanden war". Die französische Zeitung "Le Figaro" hatte diese These ebenfalls als eine Option der Verteidigung erwähnt.

Der Franzose, der in seiner Heimat als Nachfolger von Präsident Nicolas Sarkozy gehandelt wurde, soll am Samstag in einem New Yorker Hotel über eine 32 Jahre alte Angestellte hergefallen sein und versucht haben, sie zu vergewaltigen. Eine Richterin hatte am Montag eine Freilassung Strauss-Kahns auf Kaution abgelehnt. Unklar ist, ob Strauss-Kahn eventuell ein Alibi für die Tatzeit hat: Nach Informationen von "Le Monde" hatte er sich am Samstag mit seiner Tochter zum Mittagessen getroffen.

Von Montag auf Dienstag musste der Präsident des Internationalen Währungsfonds (IWF) seine erste Nacht im berüchtigten Gefängnis Rikers Island verbringen. In der riesigen New Yorker Haftanstalt auf einer Insel im East River sind rund 14.000 Menschen inhaftiert - vom verurteilten Schwerverbrecher bis zum Untersuchungsgefangenen, der auf seinen Prozess wartet. Dort werde er zumindest bis zum nächsten Gerichtstermin am Freitag eine etwa dreieinhalb mal vier Meter große Einzelzelle bewohnen, sagte ein Sprecher der Gefängnisbehörde dem US-Sender CNN. Strauss-Kahn werde keinen Kontakt zu anderen Gefangenen haben, da er als berühmte Persönlichkeit gesehen werde, sagte der Sprecher, der namentlich nicht genannt werden wollte. Den Behörden zufolge ist der Chef des IWF dort am besten vor gefährlichen Insassen geschützt. Zu der Ausstattung der Zelle gehören ein Bett, eine Tasse, Seife, Shampoo und Zahnpasta. Um 23.00 Uhr wird das Licht ausgeschaltet. "Es ist überfüllt, und das Essen ist furchtbar", sagte der Anwalt Gerald Lefcourt. Die besonders schweren Gitterstäbe und Gefängnistore machten beim Öffnen und Schließen großen Lärm.

Die Sexskandale der Politiker
IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn sitzt mindestens bis Freitag im New Yorker Inselgefängnis Rikers Island. Nach dem Vergewaltigungsvorwurf gilt sein Karriere-Ende als sicher...Weitere Bilder anzeigen
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17.05.2011 11:54IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn sitzt mindestens bis Freitag im New Yorker Inselgefängnis Rikers Island. Nach dem...

Unterdessen prüft die New Yorker Justiz, ob der IWF-Chef möglicherweise schon einmal eine Frau angegriffen hat. Der frühere Fall soll sich außerhalb der USA abgespielt haben. "Einige Informationen beinhalten Hinweise, dass er tatsächlich schon einmal ähnlich gehandelt hat wie in dem Fall, der ihm jetzt zur Last gelegt wird", sagte John McConnell von der Staatsanwaltschaft der "New York Times".

Nach und nach werden weitere Details der Affäre bekannt. So soll das 32 Jahre alte Zimmermädchen des New Yorker Hotels, in dem Strauss-Kahn abgestiegen war, aus Ghana oder Guinea stammen und alleinerziehende Mutter einer 16 Jahre alte Tochter sein.

Mit Spannung wird erwartet, ob und wann sich Strauss-Kahns Frau Anne Sinclair äußern wird. Nach einem Bericht von "Le Monde" hatte Strauss-Kahn sie von der Fahrt zum Flughafen angerufen und von einem "schweren Problem" berichtet.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy rief seine Partei zur Geschlossenheit und Zurückhaltung auf. "Wir müssen dieser Linie folgen, denn wir haben eine Menge Arbeit vor uns", sagte er mit Blick auf die anstehenden Gipfel der G8 und G20. Den Namen seines in Schwierigkeiten geratenen Kontrahenten nannte er dabei nicht. Die französische Regierung hat sich bislang mit Kommentaren zu der Affäre zurückgehalten.

Strauss-Kahns sozialistische Partei bezeichnete die Behandlung von Strauss-Kahn als "Lynchmord" und warf den US-Behörden politische Motivation vor. Der ehemalige Kulturminister Jack Lang sagte, es sei erschreckend und abscheulich, dass der Angeklagte der Presse unrasiert und in Handschellen vorgeführt worden sei, ohne sich verteidigen zu können. "Er ist ein mutiger Mann, dem ein abscheuliches Schicksal zuteil wurde", sagte Lang. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass gewisse Justizbehörden, insbesondere der Staatsanwalt oder die Richterin, von dem Wunsch angetrieben werden, einen Franzosen auszuschalten, einen Franzosen, der zudem gut bekannt ist." Der ehemalige Justizminister Robert Badinter erklärte, Strauss-Kahn sei zum "Tod durch die Medien" verurteilt worden. Gleichzeitig ringen die Sozialisten um eine neue Strategie für die anstehende Präsidentschaftswahl. "Es ist menschlich betrachtet eine schreckliche Situation, und auf politischer Ebene sehr schwierig", meinte Ex-Premierminister Laurent Fabius. Während einer Krisensitzung der Parteispitze war die Parteizentrale in Paris von etwa 200 Journalisten umlagert. Offen ist weiter, wen die Sozialisten bei der Wahl ins Rennen schicken.

In anderen europäischen Ländern gingen erste Politiker jedoch auf Distanz zu Strauss-Kahn. Die österreichische Finanzministerin Maria Fekter legte ihm den Rücktritt als IWF-Chef nahe. Strauss-Kahn müsse sich selbst überlegen, dass er der Institution Schaden zufüge, sagte Fekter. Ihre spanische Kollegin Elena Salgado zweifelte Strauss-Kahns Urteilsvermögen an. Es handele sich um sehr schwerwiegende Taten.

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy wollte sich am Dienstag nicht zu den Vorwürfen gegen den IWF-Chef äußern. "Ich gebe keinen Kommentar zu laufenden Rechtsverfahren ab", sagte Van Rompuy bei einem China-Besuch vor Journalisten in Peking.

Strauss-Kahn werden sechs Straftaten zur Last gelegt. Allein für die schwerste Anschuldigung - sexuelle Belästigung ersten Grades - drohen ihm 25 Jahre Haft. Zudem werden ihm versuchte Vergewaltigung, sexueller Missbrauch und Nötigung vorgeworfen. (AFP/dpa)

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