Politik : Jagd auf Karadzic: Karadzic entgeht Festnahme nur knapp

Stephan Israel

Eine Operation der Nato-Friedenstruppe in Bosnien (Sfor) zur Verhaftung des als Kriegsverbrecher gesuchten Radovan Karadzic ist am Donnerstag gescheitert. Die Soldaten entdeckten im vermuteten Zufluchtsort von Karadzic in der Nähe der Stadt Celebici zwar ein umfangreiches Waffenlager, doch vom früheren Serbenführer Karadzic fehlte vorerst jede Spur. Nach Berichten serbischer Quellen kam es zu stundenlangen Schießereien in der Region, die als Hochburg serbischer Hardliner gilt. Berichte aus Bosnien über eine Beteiligung deutscher Soldaten blieben zunächst unbestätigt.

"Karadzic wurde an diesem Ort nicht vorgefunden", teilte das Sfor-Kommando in Sarajevo nach der gescheiterten Operation mit. Die Operation demonstriere aber die Entschlossenheit der Friedenstruppe, alle angeklagten Kriegsverbrecher festzunehmen. Die Aktion vom Donnerstag war der bisher umfangreichste Versuch der Sfor, Karadzic festzunehmen. Im Rahmen der Operation kamen Panzerfahrzeuge und mehrere Hubschrauber zum Einsatz.

Das Fernsehen der bosnischen Serben meldete am Morgen Explosionen und Gewehrfeuer aus dem abgelegenen Dorf in der Nähe von Foca. Celebici liegt in der Zone des deutschen Sfor-Kontingents. Bei der Operation seien aber Soldaten verschiedener Nationalitäten eingesetzt worden, sagte ein Sprecher. Die Regierung der Republika Srpska protestierte gegen die Aktion der Friedenssoldaten, die auf der Suche nach dem flüchtigen Karadzic in Schulen und Wohnhäuser eingedrungen seien.

Als Basis für die Operation sollen Geheimdienstinformationen gedient haben. Allerdings ist es kein Geheimnis, dass sich Karadzic in der unwegsamen Gegend entlang der Grenze zu Montenegro frei bewegen kann. Ostbosnien gilt seit der Vertreibung der muslimischen Bevölkerung als Hochburg serbischer Nationalisten, die Karadzic noch immer als Idol und Kriegshelden verehren.

Der ehemalige Serbenführer ist seit sieben Jahren auf der Flucht. Alle Anläufe zu seiner Verhaftung sind bisher gescheitert. Seit der Auslieferung des jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic durch die Belgrader Behörden ist der ehemalige serbische Statthalter in Bosnien die Nummer eins auf der Fahndungsliste des Haager Kriegsverbrechertribunals. Zusammen mit seinem ebenfalls flüchtigen General Ratko Mladic wird dem Serbenführer unter anderem das Massaker an über 8000 Muslimen in Srebrenica zur Last gelegt. In den vergangenen Wochen hatten sich die Gerüchte über eine möglicherweise bevorstehende Festnahme des ehemaligen Serbenführers verdichtet. Die US-Behörden erneuerten vor Wochen ihren Steckbrief mit der Kopfprämie von fünf Millionen US-Dollar.

Parallel dazu ist die Regierung in Belgrad unter Druck geraten, Ex-General Mladic festzunehmen. Die serbischen Behörden bestreiten aber hartnäckig, dass sich Mladic auf ihrem Territorium und unter dem Schutz der jugoslawischen Armee befindet.

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