Politik : Jagdfieber

Die USA feiern die Festnahme eines Al-Qaida-„Operationschefs“. Nach den meisten Terroristen wird noch gefahndet

Frank Jansen

Mit der Festnahme von Abd al Rahim al Nashiri ist den Amerikanern ein größerer Erfolg im Kampf gegen Al Qaida gelungen. Der Saudi gilt als Mitglied des engsten Führungszirkels um Osama bin Laden. Er sei im Terrornetz als „Operationschef“ für den Persischen Golf zuständig, heißt es in Sicherheitskreisen. Außerdem gilt Nashiri als einer der Hintermänner der Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 und des Angriffs auf das US-Kriegsschiff „Cole“ vor zwei Jahren nahe der jemenitischen Küste. Sicherheitsexperten verweisen allerdings auch auf die bislang magere Bilanz der Suche nach „top lieutenants“ der Al Qaida: Nashiri ist offenkundig erst das dritte inhaftierte Mitglied der auf etwa 20 bis maximal 30 Männer geschätzten Führungsclique.

Als erster ging Abu Zubaydah ins Netz. Im März 2002 nahmen pakistanische Spezialkräfte, assistiert von Amerikanern, bei einer Schießerei den Palästinenser in der Industriestadt Faisalabad fest. Abu Zubaydah bezeichnen Fachleute als „Personalchef“ der Al Qaida. Seine Aussagen in den Verhören der Amerikaner hatten offenbar zahlreiche Warnungen der Behörden vor möglichen Anschlägen in den USA zur Folge. Sicherheitsexperten vermuten jedoch, Abu Zubaydah habe auch Horrorgeschichten erzählt, um die Amerikaner in Panik zu versetzen.

Der zweite ranghohe Al-Qaida-Führer in Haft ist Abu Zubair al Haili. Die marokkanischen Sicherheitsbehörden erwischten den schwergewichtigen Saudi mit dem Spitznamen „der Bär“ im Juni dieses Jahres. Abu Zubair al Haili plante offenbar gerade Anschläge auf Einrichtungen westlicher Staaten in Marokko. Bis zur Flucht der Al Qaida aus Afghanistan war Abu Zubair dort für Trainingscamps zuständig, in denen Terroristen ausgebildet wurden.

Der Mitte September in der pakistanischen Hafenstadt Karatschi festgenommene Ramzi Binalshibh war einer der „Cheflogistiker“ des Terrorangriffs vom 11. September, zählte aber nicht zum engeren Kreis um bin Laden. Der Jemenit Binalshibh, der mehrere Jahre in Hamburg lebte, sollte ursprünglich als Selbstmordpilot mitfliegen. Deshalb könne er kein Mitglied der Al-Qaida-Führung gewesen sein, sagen Sicherheitsexperten, „die bringen sich nicht um“. Doch nach dem „Erfolg“ des 11. September stieg Binalshibh in der Hierarchie der Terrortruppe auf. Ein Indiz: Kurz vor der Festnahme gab er gemeinsam mit dem Kuwaiter Khalid Scheich Mohammed, der zu den „top lieutenants“ zählt, dem Sender Al Dschasira ein spektakuläres Interview. Khalid Scheich Mohammed konnte der Polizei in Karatschi entkommen.

Imam Samudra, der diese Woche in Indonesien verhaftete Drahtzieher der Anschläge auf der Ferieninsel Bali, gehörte nicht zur Al-Qaida-Spitze. Möglicherweise gibt der Indonesier jedoch Informationen über die Führung preis. Jedenfalls hat er jetzt seine Beteiligung an den Bali-Attentaten gestanden.

Der Militärchef der Al Qaida, Muhammad Atef, ist wahrscheinlich in Afghanistan bei einem Luftangriff der Amerikaner getötet worden. Unerreichbar bleiben jedoch Osama bin Laden, der sich vermutlich im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aufhält, und Mullah Omar, der mysteriöse Chef der Taliban.

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