Jahresbericht von Amnesty International : Enthauptet, vergiftet, erschossen

Der Jahresbericht von Amnesty International für 2016 zeigt: Es gibt weltweit zwar weniger Hinrichtungen, aber mehr Todesurteile.

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Die Todeszelle des berüchtigten Huntsville-Gefängnisses in Texas, Archivfoto von 2000
Die Todeszelle des berüchtigten Huntsville-Gefängnisses in Texas, Archivfoto von 2000Foto: Paul Buck/epa/dpa

Sie werden enthauptet in Saudi-Arabien, erhängt beispielsweise in Afghanistan, Ägypten, dem Iran, Japan, Malaysia und Pakistan, sie bekommen eine Giftspritze in China, den USA oder Vietnam. Oder sie werden erschossen – etwa in Weißrussland, China, Indonesien, Nordkorea, Saudi-Arabien, Somalia oder Taiwan. Mindestens 1032 Menschen wurden im vergangenen Jahr in 23 Staaten exekutiert, das geht aus dem Jahresbericht „Todesurteile und Hinrichtungen“ von Amnesty International für 2016 hervor.

Vietnam: 400 Exekutionen in drei Jahren

Die Zahl der Hinrichtungen ist damit im vergangenen Jahr um mehr als ein Drittel gesunken. 2015 lag sie noch bei 1634. Allerdings gibt es eine hohe Dunkelziffer – vor allem, weil China Informationen zur Todesstrafe als Staatsgeheimnis unter Verschluss hält. Auch beispielsweise zu Vietnam gibt es keine konkreten Zahlen für das vergangene Jahr. Allerdings wurde erst im Februar bekannt, dass dort die Zahl der vollzogenen Hinrichtungen deutlich höher ist als angenommen, über einen Zeitraum von drei Jahren bis Sommer 2016 wurden mehr als 400 Fälle registriert. Noch vor 20 Jahren waren es 40 Länder, die Todesurteile vollstreckten. Indien, Jordanien, Oman, Tschad und die Vereinigten Arabischen Emirate – alles Länder, die noch 2015 Menschen hingerichtet haben – vermeldeten für 2016 keine Exekutionen.

Nicholas Bequelin, regionaler Direktor von Amnesty Ostastasien, bei der Vorstellung des Amnesty-International-Jahresberichts.
Nicholas Bequelin, regionaler Direktor von Amnesty Ostastasien, bei der Vorstellung des Amnesty-International-Jahresberichts.Foto: AFP/Anthony Wallace

Dass die Todesstrafe noch immer weit verbreitet ist, geht auf wenige Länder zurück: nach China vor allem auf den Iran mit mindestens 567 Hinrichtungen 2016, gefolgt von Saudi-Arabien (mindestens 154 Hinrichtungen), Irak (mindestens 88 Hinrichtungen) und Pakistan (mindestens 87 Hinrichtungen). Die USA sind das einzige Land auf dem amerikanischen Kontinent, in dem im vergangenen Jahr Menschen hingerichtet worden sind – nämlich 20. In Weißrussland wurden im vergangenen Jahr vier Hinrichtungen registriert. Es ist das einzige Land in Europa, in dem Gefangene exekutiert worden sind.

Zahl der Todesurteile verdreifacht sich

Etwa dreimal so hoch wie die Zahl der Hinrichtungen lag 2016 die Zahl der Todesurteile. In 55 Staaten wurden 3117 Menschen zum Tode verurteilt. Die Angabe von Amnesty beinhaltet wiederum keine exakte Zahl zu China, wo vermutlich mehrere tausend Todesurteile gefällt wurden. Die Gesamtzahl der Todesurteile hat sich gegenüber 2015 deutlich erhöht, im vorvergangenen Jahr waren 1998 Todesurteile gezählt worden.

Amnesty International lehnt die Todesstrafe strikt ab. Sie sei ein „unmenschlicher Irrtum, unwürdig einer zivilisierten Gesellschaft“, erklärt die Menschenrechtsorganisation. Die Todesstrafe sei wie die Folter ein „nicht zu rechtfertigender Eingriff des Staates in die unverletzlichen Rechte des Individuums“. Nur ein kategorisches Verbot der Todesstrafe bringe die Idee zum Ausdruck, dass menschliches Leben das höchste Rechtsgut sei. Auch wenn 141 Staaten die Todesstrafe abgeschafft hätten, neu dazu kamen im vergangenen Jahr Nauru und Benin, stehe ihre weltweite Ächtung noch immer aus.

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