• Jahrespressekonferenz: Internet-Täter und Islamisten - BKA sieht neue Kriminalitätstrends

Jahrespressekonferenz : Internet-Täter und Islamisten - BKA sieht neue Kriminalitätstrends

Deutschland wird zum Cannabis-Anbauland, die Zahl der Drogentoten steigt wieder, die Gefährdung durch islamistischen Terrorismus wächst und Internet-Kriminelle entdecken immer neue Methoden, ihre Opfer auszuplündern: Die Trends des BKA.

INTERNET-KRIMINALITÄT: Gangster spähen laut BKA zunehmend ganze "digitale Identitäten" aus, statt sich nur mit Kontodaten und Passwörtern zu begnügen. Dabei finden sie immer mehr Nutzungsmöglichkeiten bis hin zur Manipulation von Aktienkursen. Die Zahl der Diebstähle fremder Kontodaten (Phishing) wuchs 2007 um 20 Prozent auf 4200 Fälle, die durchschnittliche Schadenssumme um die Hälfte auf 4000 bis 4500 Euro. In 180.000 Fällen (plus acht Prozent) diente das Internet als Tatmittel.

DROGEN: Rekordernten afghanischen Opiums und höhere Erträge der kolumbianischen Kokafelder bringen immer mehr Drogen nach Deutschland. 2007 wuchs die Menge der Sicherstellungen und - erstmals seit 2000 - auch die Zahl der Drogentoten. Die meisten der 1394 Opfer (plus acht Prozent) starben an Überdosen von Heroin. Zudem wächst die inländische Haschisch-Produktion. Im vergangenen Jahr spürte die Polizei 83 Freiluft- und 347 geschlossene Hanf-Plantagen auf. Aus Hanf wird unter anderm Haschisch hergestellt. Der Anbau unter Glas vervielfacht die Wirkstoffkonzentration und den Ertrag. Eine zehn Euro teure Hanfpflanze bringt laut BKA beim Endverkauf einen Gewinn von über 300 Euro.

KREDIT- UND SCHECKKARTEN-KRIMINALITÄT: Manipulationen von Geldautomaten nahmen im vergangenen Jahr um 50 Prozent auf 1349 Fälle zu. Vermehrt kommen auch die Kartenterminals an Ladentheken (Point of Sale-Terminals, POS) ins Visier. Dort installieren die Täter Geräte, um Kartendaten auszulesen ("Skimming").

ISLAMISTISCHER TERRORISMUS: Die Ausstrahlung eines anti-islamischen Videos in den Niederlanden erhöht nach Einschätzung des Bundeskriminalamts (BKA) die Gefährdung auch für Deutschland. Der niederländische Politiker Geert Wilders hatte einen islam-kritischen Film im Internet veröffentlicht, der nach Einschätzung des BKA auch hiesige Islamisten anregen kann. Nach Angaben der Behörde existieren in Deutschland weiter intakte Netze islamistischer Terroristen. Al Qaida werbe gezielt zum Islam übergetretene Deutsche an. Konkrete Hinweise auf Anschläge lägen jedoch nicht vor.

ARZNEIMITTELKRIMINALITÄT: Der illegale Handel mit gefälschten und möglicherweise lebensgefährlichen Medikamenten wird nach Einschätzung des Bundeskriminalamtes (BKA) zunehmen. Vor allem billige Angebote im Internet machten daraus einen Wachstumsmarkt. Gefälscht werde alles vom Schmerzmittel bis zum Krebsmedikament. Weltweit sind nach BKA-Schätzung zehn Prozent aller Arzneimittel gefälscht. Anbieter sind international operierende Banden, die hohe Gewinne erzielen. Besorgnis äußerte das BKA über Doping im Spitzensport, das nach Einschätzung der Behörde unter Radfahrern ein "flächendeckendes Problem" ist. Breitensportler könnten dies nachahmen und damit ihre Gesundheit gefährden.

RECHTSEXTREMISMUS: Die Zahl rechtsextremistischer Straftaten hat laut BKA 2007 wieder ein ähnlich hohes Niveau wie 2006 erreicht. Täglich werde mehr als eine fremdenfeindlich motivierte Gewalttat begangen, sagte BKA-Chef Jörg Ziercke am Freitag. Die rechte Szene sei nicht geschwächt und gebe sich nach außen hin zunehmend bürgerlich. Nachwuchs rekrutiere sie über Musik, Schülerzeitschriften und das Internet. (jvo/dpa)

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