James Baker : Ein diskreter Mann für heikle Fälle

Der ehemalige US-Außenminister James Baker soll George W. Bush aus der Irak-Krise helfen. Der Polit-Veteran setzt auf traditionelle Diplomatie: "Man muss mit seinen Gegnern reden", sagt Baker.

Washington - Den Posten eines Sonderbeauftragten für politische Notfälle gibt es nicht im Weißen Haus. Gäbe es ihn, wäre James Baker die perfekte Besetzung. In seiner langen Karriere hat der frühere US-Außenminister meistens dann geglänzt, wenn die Lage brenzlig wurde. Im Alter von 76 Jahren steht Baker nun vor einer der kniffligsten Aufgaben seines Lebens: Als Vorsitzender einer überparteilichen Expertenkommission soll er der US-Regierung einen Ausweg aus der verfahrenen Lage im Irak weisen. Nach Jahren der diplomatischen Kraftmeierei hofft Präsident George W. Bush auf Bakers diskrete Vermittlungskünste.

Von Washington über Bagdad bis hin nach Oggersheim hat sich Baker in den vergangenen Jahrzehnten als Ein-Mann-Kommando zur politischen Krisenbewältigung profiliert. Unter Präsident Ronald Reagan war er in den 80er Jahren Finanzminister und musste das gigantische Haushaltdefizit verwalten. 1989 machte ihn Reagans Nachfolger George Bush senior zum Außenminister. Kurz darauf brach der "reale Sozialismus" zusammen; Baker wurde während des stürmischen Epochenwechsels zu einem engagierten Fürsprecher der deutschen Einheit. Zwischen dem Texaner und seinem deutschen Kollegen Hans-Dietrich Genscher entwickelte sich eine politische Freundschaft. Helmut Kohl empfing den Minister bei sich zu Hause im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim.

Als Außenminister hatte Baker großen Einfluss auf den ersten Irak-Krieg der USA: 1991 marschierte die US-Armee am Golf auf, um Saddam Husseins Besatzungstruppen aus Kuwait zu vertreiben. Anders als bei der zweiten Irak-Invasion 2003 stützten sich die USA damals auf eine breite internationale Koalition, die Baker in monatelanger diplomatischer Detailarbeit zusammengeschmiedet hatte. Baker hat nie verhehlt, dass er das einseitige Vorgehen von Bush junior für falsch hielt. Wenige Monate vor dem neuen Krieg warnte er den Präsidenten davor, alte Verbündete zu verprellen: "Wir müssen unser Bestes tun, um einsame Handlungen zu vermeiden, und der Präsident muss den Rat all jener zurückweisen, die ihm ebendies empfehlen".

Bush setzt auf alte Garde

Damals wollte Bush nicht auf den Minister seines Vaters hören. Im Weißen Haus bestimmten die Neokonservativen den Kurs. Multilaterale Konsensdiplomatie im Stil von Baker oder Bush senior galt deren Vordenkern wie etwa Verteidigungsminister Donald Rumsfeld als Zeichen der Schwäche. Seit der bitteren Niederlage der Republikaner bei den Kongresswahlen in der vergangenen Woche hat sich der Ton geändert. Rumsfeld muss gehen, und Bush setzt in höchster Not auf die alte Beratergarde seines Vaters: auf Baker und auf Robert Gates, der unter Bush senior CIA-Chef war und nun Rumsfeld ablösen soll.

Seit der Wahlschlappe gelingt es Bush kaum noch, seine Ratlosigkeit in der Irak-Politik zu kaschieren. In den vergangenen Tagen beantwortete er fast jede Frage zum Irak mit einem Verweis auf die Baker-Kommission. Er wolle deren Vorschläge abwarten und eingehend prüfen, sagte Bush. Am Montag empfing er die Kommission zu Beratungen im Weißen Haus. Baker kommt nun die schwere Aufgabe zu, gleich an zwei Fronten zu vermitteln: Im eigenen Land soll er eine gemeinsame Irak-Politik von Bushs Republikanern und den Demokraten ausarbeiten. Und im Irak muss er eine Situation in die Wege leiten, die der US-Armee einen Abzug erlaubt, der nicht nach Niederlage aussieht.

Ihre Empfehlungen will die Kommission erst im kommenden Monat vorlegen. Mögliche Argumente hat Baker aber schon durchblicken lassen. Einen sofortigen Abzug aus dem Irak lehnt er mit der Begründung ab, das Land werde dann ins Chaos stürzen. Stattdessen sprach er sich dafür aus, dass die Bush-Regierung endlich mit Iraks Nachbarländern Iran und Syrien ins Gespräch kommen solle, um eine gemeinsam Lösung zu finden. "Man spricht nicht nur mit seinen Freunden, und es ist kein Zeichen von Schwäche, auch mit anderen zu sprechen", sagte er kürzlich in einem Interview. (Von Peter Wütherich, AFP)

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