Jan Böhmermann : Der verstummte Satiriker

Die Bundeskanzlerin würde den Fall Böhmermann gern abräumen. Den Satiriker ließ die Wucht der Reaktionen verstummen. Unsere Blendle-Empfehlung.

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Jan Böhmermann.
Jan Böhmermann.Foto: imago/STAR-MEDIA

Die letzte Pointe ist die mit dem Anwalt. „Also, wenn die Türkei oder ihr Präsident da was dagegen hätte, müsste er sich erst mal ’nen Anwalt suchen“, hatte Jan Böhmermann im Fernsehen nach seinem Schmähgedicht über Recep Tayyip Erdogan gesagt. „Ich kann Ihnen sehr empfehlen unseren Scherzanwalt, Dr. Christian Witz in Berlin.“

Weil die Wirklichkeit bekanntlich die Satire übertreffen kann, steht der Scherzanwalt nun nicht Erdogan, sondern ihm, dem Beschuldigten, zur Seite, Jan Böhmermann, Zentralfigur einer Politaffäre europäischer Dimension.

Ob die Bundesregierung dem Strafbegehren der türkischen Regierung folgen wird, ist noch nicht klar. Die Prüfung dauert an, sagt Sprecher Steffen Seibert am Mittwoch. Die Regierung würde das Thema gern abräumen, wohin auch immer. Das türkische Begehren hat sie in die Zwickmühle gebracht. Stimmt die Kanzlerin Ermittlungen zu, sieht es aus, als knicke sie vor der Wut Erdogans ein. Weigert sie sich, ist es ein Affront gegenüber dem Partner in der Flüchtlingskrise.

Dr. Witz, das ist ein ironisches Pseudonym für den Medienrechtler Christian Schertz, dessen häufige öffentliche Auftritte Böhmermann in seiner Show einst mit einem verkleideten Kleinwüchsigen persiflieren ließ. Jener von Böhmermann verspottete Schertz, der in Berlin auch als „Promi-Anwalt“ reüssiert, soll diesen nun auf seinem Weg in die Gerichte begleiten, vor die Erdogan ihn zerren will. Böhmermann selbst ist weiterhin abgetaucht, hat sich auch auf Facebook und Twitter, wo er sonst sehr aktiv ist, seit drei Tagen nicht geäußert.

Umso lauter melden sich Kollegen zu Wort. In einem offenen Brief ergreifen prominente Künstler für Böhmermann Partei, sie fordern, es dürfe kein Verfahren geben. „Diskussionen über und Kritik an Jan Böhmermanns Erdogan-Gedicht gehören in die Feuilletons des Landes und nicht in einen Mainzer Gerichtssaal“, heißt es darin. Zu den Unterzeichnern gehören die Schriftstellerinnen Sibylle Berg und Thea Dorn sowie die Schauspieler Matthias Brandt, Katja Riemann und Jan Josef Liefers. Sie verlangen die Abschaffung des Strafrechtsparagrafen 103. Kunst könne nicht in einem Klima stattfinden, in dem sich der Künstler Gedanken darüber machen müsse, ob sein Schaffen eine Strafanzeige auslösen könne – das führe zur Selbstzensur.

Die vollständige Reportage lesen Sie für 45 Cent hier im digitalen Kiosk Blendle.

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