Japan-Besuch : Merkel und Abe haben gemeinsame Ziele

Im Dienste der Sache sind sich Kanzlerin Merkel und Staatschef Abe einig: Große Industrienationen müssen Verantwortung beim Klimaschutz übernehmen. Am Abend stand das Verhältnis von Japan und den USA im Mittelpunkt der Gespräche.

Ulrich Scharlack,Lars Nicolaysen[dpa]

TokioEs war ein ungewöhnliches Outfit für einen Regierungschef: Zur Begrüßung der Kanzlerin erschien der Gastgeber in Tokio "klimabedingt" leger. Weder der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe noch seine Mitarbeiter trugen Krawatten, obwohl sie Angela Merkel zum ersten Mal in ihrem Land als Regierungschefin willkommen hießen. "Wir sind im leichter Kleidung gekommen - wegen des Klimas", sagte Abe als Erklärung. In Japan seien zur Energieeinsparung die Klimananlagen in den Büros heraufgestellt worden. Deshalb seien auch die Krawatten im Schrank geblieben.

Merkel, die wie immer in Jacket und Hose erschienen war, entschuldigte sich. "Bei mir geht das nicht." Allerdings hatten auch die Herren an Merkels Seite schon auf dem Flug von China nach Tokio von der neuen Kleiderordnung erfahren und ihre Krawatten abgelegt. Merkel und Japan, die Kanzlerin und der japanische Ministerpräsident - die Verhältnisse tragen jeweils das Prädikat "ausbaufähig". Bis dato kannte die Kanzlerin von der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Erde vor allem eins: Konferenzräume. Als Umweltministerin verbrachte Angela Merkel 1997 in Kyoto eine ganze Woche in einem dieser anheimelnden Gebäude, als damals das heute noch gültige erste weltweite Abkommen zum Klimaschutz ausgehandelt wurde. Rechte Eindrücke hatte sie auf ihren Konferenzreisen nicht sammeln können. Auch zu Abe, der nach einer Niederlage seiner Partei bei der Oberhauswahl in großen innenpolitischen Schwierigkeiten steckt und erst zu Wochenbeginn sein Kabinett umgebildet hat, hat sie bislang verhältnismäßig wenig Kontakt gehabt.

Geschwister im Geiste

Aber immerhin scheinen die beiden Politiker so etwas wie Geschwister im Geiste zu sein. Abgesehen von den Europäern sind die Japaner wohl eine der wenigen Vertreter unter den großen Industrienationen, die wie die Kanzlerin für einen konsequenten Klimaschutz mit deutlichen Reduktionszielen eintreten. Abe bekräftigte dies nach der Unterhaltung mit Merkel nachdrücklich. "Jedes Land muss Verantwortung übernehmen", sagte Abe in einer anschließenden Pressekonferenz. Und die Kanzlerin betonte, dass Deutschland und Japan den Weg für ein nachhaltiges Klimaschutzabkommen bereiten sollen.

Mit Blick auf die schwierige Innenpolitik war Abe an diesem Tag anscheinend ganz besonders dankbar dafür, dass er mit Merkel einen so hochrangigen Gast aus dem Ausland empfangen konnte. Länger als geplant dauerte das Abendessen der beiden. Der Besuch der Kanzlerin kam nach Meinung aus ihrer Delegation gerade noch rechtzeitig. Mit einiger Sorge wird betrachtet, dass die USA sich immer stärker dem pazifischen Raum zuwenden und Europa dort immer mehr an Einfluss verliert. Indikator ist dafür auch, dass der deutsche Export nur zu einem Prozent nach Japan geht.

Werden die USA Japan ausbremsen?

Merkel will in den kommenden Tagen zeigen, dass Europa weiter an der Region interessiert ist. Das gilt auch für den Klimaschutz. Denn mittlerweile herrscht in der Bundesrepublik zudem die Sorge, dass die USA Japan im Klimaschutz von der Vorreiterrolle abbringen könnten. Andere Europäer hatten Merkel schon vor ihrer Abreise aufgefordert, mit Abe über den Stand seiner Bemühungen zu sprechen. Der Japaner bezog beim traditionellen japanischen Abendessen allerdings keine klare Position.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben