Politik : Japan: Erste Außenministerin des Landes

Unmittelbar nach seiner Wahl zum Regierungschef in Japan hat Junichiro Koizumi mit dem versprochenen Neuanfang begonnen und fünf Frauen in sein 17-köpfiges Kabinett berufen. Unter ihnen ist als erste Außenministerin die populäre Makiko Tanaka. Der Nachfolger von Ministerpräsident Yoshiro Mori steht vor der schweren Aufgabe, die seit elf Jahren andauernde Wirtschaftskrise in Japan zu überwinden und verkrustete politische Strukturen zu erneuern. Der japanische Aktienmarkt reagierte positiv auf die Wahl Koizumis.

Beide Kammern des Parlaments in Tokio wählten Koizumi, den neuen Vorsitzenden der Liberaldemokraten (LDP), am Donnerstag mit der erwarteten großen Mehrheit. Im Unterhaus erhielt der 59-Jährige 287 Stimmen, 47 mehr als erforderlich. Koizumi dankte den Abgeordneten mit einer tiefen Verbeugung. Kurz darauf wurde seine Wahl vom Oberhaus gebilligt.

Die Vorstellung von Koizumis Kabinetts bestätigte die Erwartungen, dass der neue Regierungschef einen eher unorthodoxen Politikstil pflegt. Er habe die ernennen wollen, die reformbegeistert seien, sagte Koizumi. Die Berufung Tanakas als Außenministerin gilt als geschickter Schachzug, um der neuen Regierung einen starken Rückhalt in der Bevölkerung zu sichern. Die Tochter des früheren Ministerpräsidenten Kakuei Tanaka gehört seit 1993 dem Parlament an. Die wegen ihrer Offenheit und Kritik an den LDP-Strukturen populäre Politikerin macht sich für Reformen in Bildung und Sozialwesen stark und unterstützt Koizumis Sparkurs. Neuer Finanzminister wurde überraschend der 79-jährige Masajuro Shiokawa, der als Vertrauter des Ministerpräsidenten gilt und eine konservative Fiskalpolitik vertritt. Er hatte Koizumis Wahlkampf geleitet und war unter anderem Verkehrs- und Bildungsminister. Zum Wirtschaftsminister wurde Heizo Takenaka ernannt. Der 50-jährige Wirtschaftsprofessor ist landesweit durch seine Fernsehauftritte bekannt und hatte sich wiederholt für ökonomische Reformen ausgesprochen. Die Entscheidung, Hakuo Yanagisawa als Chef der Finanzaufsichts-Behörde im Amt zu belassen, gilt als ausschlaggebend für die Reformfähigkeit Japans. Er hatte viel Lob für seine Anstrengungen bei der Banken-Reform erhalten.

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