Politik : Japan: Planlos in der Krise

Berlin - Der japanische Premierminister Naoto Kan kämpft seit einem Monat mit der Bewältigung dreier Katastrophen: Erdbeben, Tsunami, Kernschmelze in Fukushima. Inzwischen kämpft er aber auch mit Vorwürfen der Opposition und seiner eigenen Partei. In der vergangenen Woche wurde Kan mit den Worten zitiert, dass die Menschen, die wegen der Atomkatastrophe in Fukushima evakuiert worden sind, wohl „zehn bis 20 Jahre“ nicht zurückkehren könnten.

Das ist nach Lage der Dinge eine eher optimistische Einschätzung. Doch Kan ahnte wohl, was kommen würde, und dementierte am gleichen Tag. „Das habe ich nie gesagt“, versicherte er. Und forderte ultimativ einen Zeitplan von der Betreiberfirma Tepco zur Bewältigung der Krise. Den hat Tepco am Sonntag geliefert: Mindestens drei Monate werde es noch dauern, bis nur noch sehr geringe Mengen Radioaktivität austreten würden. Weitere sechs bis neun Monate soll es dauern, die Anlagen in einen „sicheren Zustand“ zu bringen.

Dass Kan auf Tepco angewiesen ist, um die Fukushima zu bewältigen, ist für den Premier seit dem ersten Tag ein Problem. Denn die Krisenbewältigung bei Tepco basiert nahezu ausschließlich auf Improvisation. Tepco-Chef Masataka Shimizu hat sich am Tag der dritten Wasserstoffexplosion in Fukushima das einzige Mal der Öffentlichkeit gezeigt. Seither wird er von Tsunehisa Katsumata vertreten, der den Posten 2007 wegen gefälschter Sicherheitsprotokolle aus Tepco-Atommeilern hatte aufgeben müssen.

Katsumata deutete nach Informationen der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo am Sonntag an, dass er „zu gegebener Zeit“ zurückzutreten gedenke. Und auch sein Chef Shimizu könnte mit einem Rücktritt die Verantwortung für die Atom-Katastrophe übernehmen. Allerdings dürfte das kaum dazu führen, dass das Krisenmanagement von Tepco professioneller wird.

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