Politik : Japan will Initiative beim Klima übernehmen

Regierungschef Abe sieht sein Land in Vermittlerrolle zwischen EU und den USA

Tokio/München - Japan will auf dem G-8-Gipfel die Initiative beim Klimaschutz übernehmen. USA und EU hätten nach wie vor unterschiedliche Ansichten zur Erderwärmung, daher müsse Japan alle Länder in eine für sie grundsätzlich akzeptable Richtung leiten, sagte Premier Shinzo Abe am Dienstag vor der Abreise nach Deutschland. Alle Staaten sollten eine Halbierung des Ausstoßes von Treibhausgasen bis 2050 akzeptieren.

Den Vorschlag Deutschlands, Verhandlungen über einen Nachfolgevertrag des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls bis 2009 abzuschließen, lehnte Japan ab. Es sei verfrüht, solange große Treibhausgas-Produzenten wie die USA, China und Indien nicht mitmachten. Japan versucht sich im Kampf gegen den Klimawandel zu profilieren, hinkt der Erfüllung seiner Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll jedoch weit hinterher.

Seitens der USA bemühte man sich, in Berlin den Eindruck zu zerstreuen, die Ideen des US-Präsidenten zum Klimaschutz aus der vergangenen Woche würden nicht mit den Gipfel-Plänen von Kanzlerin Angela Merkel übereinstimmen. Dies sei „uninformierte Kritik“ gewesen, so James Connaughton, umweltpolitischer Berater von George W. Bush. Der Präsident hatte vorgeschlagen, bis Ende 2008 unter den 15 Staaten mit dem höchsten Ausstoß von Treibhausgasen internationale Klimaschutzziele auszuarbeiten. Merkel dagegen will – wie die EU-Partner und Kanada – eine konkrete Festlegung auf die Begrenzung des Ausstoßes von Treibhausgasen sowie die Beschränkung des Temperaturanstiegs in diesem Jahrhundert auf zwei Grad Celsius. Connaughton betonte dagegen erneut, die G 8 sollten keine „innenpolitischen Ziele“ setzen, das sei Sache der einzelnen Staaten.

Nach einem Vergleich der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch unter den G-8-Staaten steht Deutschland beim Klimaschutz auf dem ersten Platz, die USA am Ende. Die Plätze sieben bis neun in dem Index, in den die am Gipfel teilnehmenden Schwellenländer einbezogen sind, belegen Japan, Italien und Südafrika. China habe sich trotz stark steigender Emissionen wegen recht positiver nationaler und internationaler Politikansätze etwas verbessert und liege nun auf Platz zehn, gefolgt von Russland und Kanada, erklärte Germanwatch.

Premier Abe traf in Berlin zum EU-Japan-Gipfel ein. will von dort nach Heiligendamm weiterreisen. Die EU und Japan unterzeichneten ein vorläufiges Zollabkommen. Japan ist zweitgrößter EU-Handelspartner nach den USA. Der Wert der Waren und Dienstleistungen beläuft sich jährlich auf 15 Milliarden Euro. AFP/Tsp

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