Politik : Japans Atomberater tritt zurück Kosako will Kurs der Regierung nicht mittragen

Tokio - Wegen Meinungsverschiedenheiten zum Umgang mit der Atomkatastrophe von Fukushima hat ein ranghoher wissenschaftlicher Berater des japanischen Regierungschefs Naoto Kan seinen Rücktritt erklärt. Die Regierung habe seinen Rat zum Umgang mit der Krise ignoriert und halte sich nicht an geltende Gesetze, sagte Professor Toshiso Kosako am Freitag bei einer Pressekonferenz unter Tränen. Er beriet den Regierungschef bisher in Nuklearfragen. Sein Eindruck sei, dass die Regierung sich lediglich mit Notlösungen und Provisorien über die Zeit rette, anstatt eine wirkliche Lösung für die Atomkrise zu suchen. Die Entscheidungsprozesse seien zudem unklar, viele Maßnahmen im Umgang mit der Katastrophe seien nicht gesetzeskonform.

Der Strahlensicherheitsexperte Kosako war Mitte März zum Regierungsberater in Atomfragen berufen worden. Da niemand auf ihn höre, habe es „keinen Sinn, dass ich auf meinem Posten bleibe“, erklärte er nun. Wegen des Umgangs mit der Krise in dem durch den Tsunami vom 11. März schwer beschädigten Atomkraftwerk in Fukushima steht Kan bereits seit längerem in der Kritik. Angesichts der Krise von Fukushima verliert Kan unterdessen an Zustimmung: In einer Umfrage der Nachrichtenagentur Kyodo sagten drei von vier Japanern (76 Prozent), dem Regierungschef fehle es an Führungskraft. Fast jeder Vierte ist der Meinung, dass der Premier sofort zurücktreten sollte. Knapp 71 Prozent sagten, dass sie den Umgang der Regierung mit der Atomkrise nicht schätzten.

Am Samstag meldeten Medien, dass zwei Männer bei ihren Einsätzen in der Atomruine von Fukushima fast den erlaubten jährlichen Strahlengrenzwert von 250 Millisievert erreicht hätten. Atombetreiber Tepco habe erklärt, dass 21 Arbeiter den Einsatz-Grenzwert von 100 Millisievert erreicht beziehungsweise überschritten hätten. In der Muttermilch von sieben Frauen fanden die Behörden eine geringe Menge an Radioaktivität. Sie liege allerdings unter dem Grenzwert. Für Babys bestehe keine Gefahr, meldete Kyodo unter Berufung auf das japanische Gesundheitsministerium.

Die deutsche Botschaft in Japan arbeitet seit Freitag wieder vollständig von Tokio aus. Mitte März war der Botschaftsbetrieb von der japanischen Hauptstadt zunächst komplett in die etwa 500 Kilometer entfernte Metropole Osaka verlegt worden. AFP/dpa/dapd

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