Politik : Jean Zieglers „ungehaltene Rede“

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Berlin - So etwas kann Jean Ziegler nicht auf sich sitzen lassen. Der 76-jährige Schweizer Soziologe hat am Montag in der „Süddeutschen Zeitung“ seine „ungehaltene Salzburger Rede“ veröffentlicht. Die hätte er am Mittwoch zur Eröffnung der Salzburger Festspiele halten sollen, bevor er wieder ausgeladen wurde. Die Rede wird nun Joachim Gauck, der ehemalige Chef der Stasiunterlagenbehörde und Ex-Präsidentschaftskandidat, halten.

Was war passiert? Im Februar hatte Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) Jean Ziegler eingeladen. Am 24. März lud sie ihn wieder aus. Der Grund: Die Proteste in Libyen gegen den dortigen Machthaber Muammar Gaddafi. Ziegler wird seit Jahren eine besondere Nähe zu Gaddafi nachgesagt. Ziegler selbst hat eine andere Deutung. In einem offenen Brief an eine globalisierungskritische Gruppe in Salzburg, die ihn zu einer Gegenveranstaltung eingeladen hatte, schrieb er: „Inzwischen hatten – höchster Wahrscheinlichkeit nach – zwei Schweizer Großbanken und ein Nahrungsmittelkonzern, Sponsoren der Festspiele, bei der Landeshauptfrau interveniert.“ Tatsächlich sind die Credit Suisse und Nestlé Hauptsponsoren der Salzburger Festspiele.

Zu seinen Gaddafi-Kontakten sagte Ziegler der Schweizer Boulevardzeitung „Blick“: „Ich bitte Sie – Gaddafi ist nie mein Freund gewesen. Er hat meine Bücher auf Arabisch gelesen und mich einige Male eingeladen, über sie zu sprechen. Als Soziologe ist es meine Pflicht, solche Gelegenheiten wahrzunehmen. Ein Soziologe muss versuchen, die Welt zu verstehen.“ Offenbar hat ihn Gaddafi ziemlich beeindruckt. In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ im März sagte er: „Damals habe ich Gaddafi als blitzgescheiten, argumentativen, analytisch begabten Menschen erlebt.“ Allerdings sei er heute „völlig verrückt“.

Die „ungehaltene Rede“ spart wiederum nicht mit starken Worten. „Ein Kind, das am Hunger stirbt, wird ermordet“, schreibt er. Und dass die „Reichen“, die Großbankiers und Konzern-Mogule“, „die Verursacher und die Herren dieser kannibalischen Weltordnung“ seien. Ziegler behauptet zudem über die Zustände vor dem Flüchtlingslager Dadaab in Nordkenia: „Vor dem Tor machen die UN-Beamten Selektion: nur noch ganz wenige – die eine Lebenschance haben – kommen herein“. deh

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