Politik : …jede Altersbeschränkung fällt

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Brunhilde Ede, 81, Jurastudentin in Argentinien, wurde dieser Tage mit einem Festakt im Parlament in Buenos Aires für ihr Lebenswerk geehrt. Was bestimmt in Ordnung geht und hier zu Lande bitte schön den einen oder anderen Wahlkämpfer zum Nachdenken anregen möge, sich von Langzeitplänen zu verabschieden, wonach das Abitur künftig mit elf, die Promotion mit vierzehn und die Bewerbung für das Amt des Bundespräsidenten bereits dann möglich sein müsse, wenn man über einen MofaFührerschein verfüge. Von Frau Ede geht nämlich die Rede, dass sie erst im zarten Alter von 66 Jahren, gewissermaßen udojürgensmäßig, in ihrer patagonischen Heimat, der Provinz Chubut, die Grundschule abgeschlossen habe. Sicher, für einen „Schnellläuferjahrgang“, wie das hier so schön heißt, ist das definitiv zu langsam. Danach aber sei Edes Wissbegier nicht mehr zu stillen gewesen. Inzwischen verfügt sie über ein abgeschlossenes Studium der Politikwissenschaften, was, wie man hört, in Patagonien ungleich schwieriger zu erlangen sei, als, sagen wir, in Marburg.

Täuscht der Eindruck, oder häufen sich in diesen Tagen Meldungen, in denen Menschen gesetzteren Alters als Leistungsträger Furore machen? Bitte, es soll hier aus Gründen der Doublettenvermeidung nicht schon wieder auf die Stones zurückgegriffen werden, das macht heute der Kollege vom „Weltspiegel“ in gewohnter Sorgfalt, Seite 28, wenn Sie mal schauen mögen.

Andererseits – nur dieser eine Satz noch, wirklich – mischt sich doch andernorts manch schwer verständlicher, despektierlicher Unterton in holprige Rezensionsversuche vom ersten Stones-Konzert. Etwa, dass das Knie von Keith Richards gehalten habe. Was soll das?

Wie schön also, den Blick nach Neuseeland wenden zu dürfen, wo Vicki Harvey, 73, Rentner, zu Hause ist. Harvey hat in der Armee 20 Jahre als Panzerfahrer gedient, sich im Alter von 67, somit nur ein Jahr nach Brunhilde Edes Grundschulabschluss, nun ja – neu orientiert. Dieses Jahr erschien Harvey erstmals in Rock und Bluse zu einer Armeeversammlung, was wiederum den neuseeländischen Staat dazu veranlasste, Nägel mit Köpfen zu machen und ihm/ihr die nötigen 16500 Euro für eine Operation zu zahlen, um auf diese Weise ein stimmiges Erscheinungsbild wiederherzustellen. Das Programm heißt „Neuzuordnung des Geschlechts“. Altersbeschränkungen gibt es offenkundig nicht. Vbn

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