Politik : Jede zweite Firma will Subventionen für Ältere

Cordula Eubel

Berlin - Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) hat die Einstellungspolitik vieler Unternehmen kritisiert. Es sei „gegen die Menschenwürde“, wenn bei Befragungen 15 Prozent der Betriebe sagten, dass sie grundsätzlich keine über 50-Jährigen einstellen wollten. Genauso erschreckend sei es, wenn jedes zweite Unternehmen Ältere nur einstellen wolle, wenn der Staat Subventionen oder Beihilfe gibt. „Wir brauchen einen altersgerechten Umbau der Arbeitswelt“, sagte Schmidt bei einer Veranstaltung der SPD-Bundestagsfraktion zu „Chancen des längeren Lebens“.

In Deutschland sind nach Angaben des Statistischen Bundesamts derzeit nur etwa 39 Prozent der 55- bis 64-Jährigen erwerbstätig. Europas Spitzenreiter Schweden und Dänemark erreichen dagegen Quoten von knapp 65 Prozent beziehungsweise 54 Prozent. Verantwortlich für diesen Trend ist auch die Praxis der Frühverrentung in Deutschland. Instrumente wie Altersteilzeit wurden nach Angaben von Jutta Allmendinger, Direktorin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), in den vergangenen Jahren in 80 Prozent der Fälle dafür genutzt, dass Arbeitnehmer früher in Rente gehen, statt einen fließenden Übergang in den Ruhestand mit Teilzeit zu wählen.

Allmendiger setzt sich dafür ein, dass ältere Arbeitnehmer stärker von Weiterbildung in den Betrieben profitieren sollen. Das sei sinnvoller, als wenn die Bundesagentur für Arbeit (BA) später Arbeitslose qualifizieren und wieder an den Arbeitsmarkt heranführen müsse. Professor Andreas Kruse, Direktor am Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg, ist davon überzeugt, „dass es vielen älteren Menschen nicht schwer fallen würde, sich ein neues Arbeitsfeld zu suchen“. Kruse, der mit einer Kommission momentan den fünften Altenbericht der Bundesregierung erstellt, plädierte dafür, dass Ältere „stärker als mitverantwortliche Staatsbürger angesprochen werden“.

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