Politik : Jedem seine Sternstunde

Ex-Minister Scharping fühlt sich in der Auseinandersetzung um die Hunzinger-Affäre als Sieger – das Magazin „Stern“ auch

Markus Feldenkirchen

„Die notwendige Basis für eine gemeinsame Arbeit in der Bundesregierung ist nach meiner Auffassung nicht mehr gegeben“, knurrte der Kanzler. Dann entließ Schröder seinen Verteidigungsminister. Rudolf Scharpings Sicht der Dinge war eine andere. So trat er am 18. Juli 2002 kurz nach dem Rausschmiss selbst vor die Presse. Der „Stern“ hatte über halbseidene Geschäfte zwischen dem Minister und PR-Papst Moritz Hunzinger geschrieben. „Mein Verhalten ist gesetzeskonform“, sagte Scharping leise Servus, die Augen gerötet. „Dieses Amt verlasse ich jetzt mit erhobenem Haupt und mit geradem Rückgrat.“ Das war vor elf Monaten. Im Gedächtnis ist nur noch die Rechnung eines Herrenausstatters über 54 885 Mark haften geblieben, die Hunzinger für Scharping bezahlt haben sollte. Von zehn Paar Socken für 350 Mark war die Rede, auch von Vorschüssen für nicht geschriebene Bücher. Dann wurde es ruhig um Rudolf Scharping. Bis der Kopf des notorischen Verlierers am Dienstag aus der „Gewinner“-Spalte der Bildzeitung ragte: Das Landgericht Hamburg habe bestätigt, hieß es da, dass der „Stern“ eine einstweilige Verfügung endgültig akzeptiert habe. Zudem seien Ermittlungen gegen Scharping wegen Vorteilsannahme eingestellt worden. Scharping und Hunzinger sehen sich rehabilitiert.

„Ranghöchste Vertreter der Sozialdemokratie, Personen der Zeitgeschichte“ hätten am Dienstag umgehend angerufen und sich entschuldigt, jubelt Hunzinger jetzt. Aus dem Kanzleramt allerdings war niemand dabei. Und was wird nun aus Scharping? Die Gespräche mit den „Ranghöchsten“ hätten ihm gezeigt, dass für Scharping die Tür zurück zur Macht offen stehe, sagt Hunzinger. „Die SPD weiß, was sie an ihm hat.“

Nur hat die Geschichte einen Haken. Im Hamburger Gericht fand sich am Dienstag niemand, der bestätigen konnte, dass es tatsächlich eine Entscheidung gegeben hat. Und die „Stern“-Chefredaktion erklärte, sie habe sich mit Scharping in dieser Sache gar nicht im Rechtsstreit befunden. Die Kernpunkte des „Stern“-Berichts hätten juristisch Bestand. Die Rehabilitation Scharpings muss wohl noch warten – wenn sie kommt.

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