Politik : Jeder fünfte Deutsche lebt allein

Aber 2005 stieg die Zahl der Familien erstmals wieder / Trend zum Ein-Kind-Haushalt in Ostdeutschland

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Berlin - Fast jeder fünfte Mensch in Deutschland lebt ohne Partner oder Kinder. Das ist ein Ergebnis des „Mikrozensus 2005“, den der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Johann Hahlen, am Dienstag in Berlin vorgestellt hat. Es gebe „immer mehr Haushalte, in denen durchschnittlich immer weniger Personen leben“, sagte Hahlen. Die seiner Darstellung nach größte jährliche Haushaltsbefragung in Europa kommt zu dem Schluss, dass im vergangenen Jahr 19 Prozent der 82,7 Millionen Deutschen zu den Alleinstehenden ohne Kinder und ohne Partnerschaft im Haushalt zählten. In Familien, zu denen sowohl Elternpaare mit Kindern wie Alleinerziehende gehören, lebte aber mit 53 Prozent noch eine knappe Mehrheit der Deutschen.

„Wir haben eine Gesellschaft, in der in 22 Prozent der Haushalte über 65-Jährige leben, umgekehrt aber nur noch 23 Prozent Haushalte, in denen minderjährige Kinder leben“, fasste der Chef des Bundesamtes die Alterungstendenz zusammen. Dabei kommen repräsentative Meinungsumfragen zu den Vorstellungen der Deutschen regelmäßig zu dem Schluss, dass eine große Mehrheit sich in jungen Jahren eine Familie wünscht und diese Lebensform auch später für den wichtigsten aller Lebensbereiche hält.

Der Anteil der in Familien lebenden Menschen ging seit 1996 um vier Prozent zurück. Allerdings stieg die Zahl der Familien 2005 mit 12,6 Millionen im Vergleich zum Vorjahr erstmals seit 1996 wieder an. Der Zuwachs von 530 000 Familien gegenüber dem Vorjahr bedeutet einen Anstieg von 0,4 Prozent. Es sei offen, ob sich diese Entwicklung fortsetze, erklärte das Statistische Bundesamt.

Die Untersuchung ergab auch, dass die Traditionsfamilie mit verheirateten Ehepaaren und Kindern in Deutschland an Bedeutung verliert. Zwar sind immer noch drei Viertel der Familien Ehepaare, aber die Zahl der nichtehelichen Lebensgemeinschaften mit Kindern („alternative Familien“) stieg im Vergleich zu 1996 um 34 Prozent auf 2,4 Millionen von insgesamt 12,6 Millionen Familien. Der Anteil der Alleinerziehenden stieg um vier Punkte auf 21 Prozent.

Laut der Studie kommt es kaum noch vor, dass drei oder gar mehr Generationen unter einem Dach leben. Die Zahl der Mehrgenerationen-Haushalte sei „deutlich rückläufig“, sagte der Amtschef. Nur in einem Prozent der insgesamt 39,2 Millionen Haushalte leben Eltern mit Kindern und deren Großeltern zusammen. In 31 Prozent aller Haushalte lebten im vergangenen Jahr zwei Generationen, nämlich Eltern und Kinder.

Die Zahlen zeigen auch gravierende, teils weiter zunehmende Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. So ging die Zahl der Familien in den neuen Ländern (2,4 Millionen) gegenüber 1996 um 16 Prozent zurück. Auch die Zahl der Eltern, die mehr als ein Kind bekommen, schrumpft im Osten rasant. „In Ostdeutschland geht die Tendenz eindeutig zur Ein-Kind-Familie“, sagte Hahlen.

Die repräsentative Studie, für die ein Prozent der Bevölkerung befragt wird, lieferte auch wichtige Ergebnisse zum gesundheitlichen Zustand der Deutschen und zu der Frage, wie viele Menschen mit Migrationshintergrund hier leben. Deutschland sei ein „Zuwanderungsland“, sagte Amtschef Hahlen mit Hinweis darauf, dass fast ein Fünftel der Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund habe. Die Gesundheitsbefragung ergab, dass die Deutschen immer dicker werden.

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