Politik : Jeder hat sein Kreuz zu tragen (Glosse)

Stephan-Andreas Casdorff

Ja, achten Sie mal drauf: Jeder hat sein Kreuz zu tragen. Helmut Kohl tut es noch immer. Das kleine Ding links am Revers - er trägt sein Bundesverdienstkreuz weiter, als wäre keine Affäre gewesen, nichts. Alltag? Das passt: Die Miniatur ist die Version für den Alltag, auf jedem Bild unübersehbar. Kohls Verdienste waren so groß, dass ihm ein besonderer Orden verliehen worden ist. Einer, der ihn heraushebt aus der Masse der Ordensträger. Das ist: Kohls Sonderklasse. Wer so lange im Amt war, der verdient auch einen, sagen wir mal, Ander-Orden. Ehre, wem Ehre gebührt. Beifall haben ihm damals viele gespendet.

Jetzt, wo wir darauf achten, fällt auf: In Nordrhein-Westfalen trug Ministerpräsident Wolfgang Clement dieser Tage am Revers unübersehbar was? Genau. Und damit sind wir flugs auch bei Johannes Rau, seinem Vorgänger und Wegbereiter. Da gab es gerade in den Zeitungen ein großes Bild, das Bundespräsident Rau an Bord eines Flugzeugs zeigt. Am Revers: das kleine Kreuz. Was an seine Verdienste erinnert. Zurück zum Kanzler, dem von heute. Auch der hat sein Verdienstkreuz. Er trägt es immer öfter. Die Erklärung dafür ist klar: Gerhard Schröder hat sich verdient gemacht. Erst Ministerpräsident, dann Bundeskanzler - wie bei Kohl, hätten wir früher gesagt. Heute hat Schröder diesen Vergleich nicht verdient. Denn es ist ja nicht dasselbe bei den beiden, auch nicht das Verdienstkreuz. Schröder will ja außerdem einiges besser machen, hat er versprochen. Ehrenwort?

Kohls Nachfolger im Amt des CDU-Vorsitzenden, Wolfgang Schäuble, haben wir noch nie mit Verdienstkreuz gesehen. Das nur am Rande.

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