• Jeder vierte Arbeitslose rutscht sofort in Hartz IV Untersuchung des DGB: Zwischen 2008 und 2011 Zunahme um fast 19 Prozent

Politik : Jeder vierte Arbeitslose rutscht sofort in Hartz IV Untersuchung des DGB: Zwischen 2008 und 2011 Zunahme um fast 19 Prozent

Berlin/Nürnberg - Immer mehr Arbeitnehmer bekommen nach dem Verlust ihres Jobs kein Arbeitslosengeld, sondern werden sofort zu Hartz-IV-Empfängern. Zwischen 2008 und 2011 lag der Zuwachs nach Berechnungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) bei 18,7 Prozent. Der Grund für den Absturz in die Grundsicherung: Die Betroffenen waren innerhalb der letzten zwei Jahre vor ihrer erneuten Arbeitslosigkeit nicht mindestens zwölf Monate lang sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Während 2008 noch 621 000 Menschen diese Voraussetzung nicht erfüllten, waren es 2011 bereits gut 736 800. Jeder vierte neue Arbeitslose wurde demnach 2011 sofort Hartz-IV-Empfänger, vier Jahre zuvor war es nur jeder fünfte, wie aus einem DGB-Positionspapier hervorgeht. Betroffen sind meist Geringqualifizierte und Leiharbeiter.

Für den Sprecher des Bundesarbeitsministeriums, Jens Flosdorff, wird in den Zahlen dagegen eine positive Entwicklung sichtbar: Auch Langzeitarbeitslose mit geringer Qualifikation fänden inzwischen Arbeit, hätten aber auch ein größeres Risiko, wieder in Hartz IV zurückzufallen. „Das zeigt, dass Bewegung im Arbeitsmarkt ist, und das ist gut“, sagte Flosdorff. Die Regel: „Einmal Hartz IV – immer Hartz IV“ gelte so nicht mehr. Allerdings nähere man sich nun „dem harten Kern der Langzeitarbeitslosigkeit“. Diesen gibt die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit etwa 400 000 Menschen an. Sie sind seit Start der Hartz-Reformen am Arbeitsmarkt vor gut sieben Jahren im Hartz-IV- System.

Einer am Montag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge bieten staatlich geförderte betriebliche Praktika Hartz-IV-Empfängern von allen vergleichbaren Fördermaßnahmen noch die besten Jobchancen. Vor allem im Vergleich zu Ein-Euro-Jobs verspreche diese Art der Förderung einen weitaus größeren Vermittlungserfolg. Auch schulische Trainingsmaßnahmen verhelfen Arbeitslosen seltener zu einem regulären Job als betriebliche Praktika, berichtete die Denkfabrik der BA. So hätten 41,2 Prozent der Single-Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren nach einer betrieblichen Fördermaßnahme eine versicherungspflichtige Beschäftigung gefunden. Der Anteil bei den Ein-Euro-Jobbern lag nur bei 29,9 Prozent. Bei alleinstehenden Frauen war ein von der Arbeitsagentur finanziell gefördertes Praktikum für 39,6 Prozent der Schlüssel zu einem festen Job. Von Singlefrauen, die in einem Ein-Euro-Job gearbeitet hatten, hätten nur 27,9 Prozent eine festen Arbeitsplatz gefunden.

Die Autoren der Studie, die 400 000 Fälle untersucht haben, führen die guten Jobchancen im Falle eines betrieblichen Praktikums vor allem auf den direkten Kontakt zum Arbeitgeber zurück. Allerdings schließt das IAB auch Mitnahmeeffekte nicht aus: So gebe es sicherlich Fälle, in denen sich Chefs längst für einen Bewerber entschieden hätten, aber die Förderung der Arbeitsagentur nutzten, um die Probezeit zu verlängern oder einen Bewerber eine gewisse Zeit lang ohne Entlohnung zu beschäftigen. dpa

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