Politik : Jegliche Schuld an Kriegsverbrechen bestritten

Der Kommandeur der serbischen Truppen, die bei der Belagerung von Sarajevo zwischen 1992 und 1994 Tausende von Zivilisten getötet haben, hat am Mittwoch jede Schuld an Kriegsverbrechen bestritten. Vor dem UN-Tribunal in Den Haag bekannte sich General Stanislav Galic zur Anklage der Kriegsverbrechen und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnienkonflikt "nicht schuldig". Der 56-jährige Berater des Präsidenten der bosnischen Serben war am 20. Dezember von SFOR-Soldaten auf Grund einer geheimgehaltenen Anklage in Banja Luka festgenommen worden.

Es war die erste gerichtliche Vorführung des als "Belagerer von Sarajevo" bekannt gewordenen Galic. Wann das Verfahren gegen ihn beginnen wird, stand am Mittwoch noch nicht fest.

Galic wird laut Anklageschrift dafür verantwortlich gemacht, dass während der 44 Monate währenden Einkesselung der Stadt seine Soldaten von den umgebenden Hügeln aus Tod und Verderben über die Bewohner brachten. Die Zivilisten fielen dem Terror zum Opfer, den die Serben mit Artillerie- und Mörsergranaten sowie dem Feuer von Heckenschützen hervorriefen. Die Anklage, die Galic die Tötung von 116 Menschen und Verletzung von 325 weiteren zur Last legt, stelle "nur eine repräsentative kleine Auswahl" der damaligen Vorfälle dar.

Menschen beim Schlangestehen vor Lebensmittelläden, bei der Bestellung des Gartens, beim Wasserholen, Spazierengehen und selbst bei der Teilnahme an Beerdigungen fielen den Scharfschützen zum Opfer. "Auch in ihren Wohnungen wurden sie von den Kugeln getroffen", zitierte der Kanzleivertreter aus der Anklageschrift. Kinder seien unter den Toten gewesen, Frauen und alte Menschen. Galic, der damals direkt dem militärischen Chef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, unterstand, hörte über Kopfhörer äußerlich unbewegt der Anklage zu.

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